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Pornosucht
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Auswirkungen auf Gehirn, Sexleben und Beziehungen

Es braucht nur ein paar Klicks für den Kick: Pornos sind jederzeit auch kostenlos im Netz verfügbar. Doch was passiert im Kopf, wenn wir regelmäßig Erotikclips konsumieren? Und wann hat man eine PNS, eine Pornografie-Nutzungsstörung, die Behandlung erfordert?
AutorKontaktdpa
Datum 01.07.2025  10:00 Uhr
Auswirkungen auf Gehirn, Sexleben und Beziehungen

Rudolf Stark forscht seit Jahren zur neurobiologischen Wirkung von Pornografie. Er ist Professor für Psychotherapie und Systemneurowissenschaften. In mehreren Studien hat er untersucht, wie verbreitet der Konsum ist – und welche neuronalen Muster sich dabei zeigen.

Das Ergebnis: Rund 80 Prozent der befragten Männer gaben an, regelmäßig Pornos zu schauen, nur 5 Prozent sagten, sie schauten nie. Bei Frauen teilten sich die Angaben etwa zu gleichen Teilen auf: Ein Drittel konsumiert regelmäßig, ein Drittel gelegentlich, ein Drittel gar nicht.

Pornos wirken wie ein Belohnungssignal

Die Wirkung der Filme lässt sich im Gehirn messen. »Pornografisches Material aktiviert sehr stark das dopaminerge Belohnungssystem«, sagt Stark. Gemeint ist ein Teil des Gehirns, der stark auf angenehme Reize reagiert – etwa Nahrung, soziale Anerkennung oder eben sexuelle Erregung. Dabei werden Botenstoffe ausgeschüttet, die kurzfristig Glücksgefühle erzeugen und uns in unserem Verhalten positiv bestärken. Pornos wirken damit wie ein hochwirksames Belohnungssignal.

Das Gehirn lernt mit – manchmal zu viel

Das zeigt sich an einer Untersuchung: In einem Forschungsprojekt ließ Stark Testpersonen die Bedeutung bestimmter geometrischer Symbole lernen, die mit verschiedenen Videos verknüpft waren – einem Pornoclip, einem neutralen Massagevideo oder gar keinem Inhalt. Interessant war: Schon der Anblick der Symbole allein löste Aktivität im Belohnungssystem aus. »Unser Gehirn verknüpft die Symbole sehr schnell mit dem erwarteten Reiz«, erklärt Stark.

Während sich bei durchschnittlichen Konsumenten kein klarer Zusammenhang zwischen Nutzungsverhalten und neuronaler Reaktion zeigte, war das bei Menschen mit diagnostizierter Pornografie-Nutzungsstörung (Pornosucht) anders: »Das Handy, mit dem man tausendmal Pornos geschaut hat, kann dann schon ausreichen, um den Drang auszulösen.«

Wenn Kontrolle verloren geht

Solche Fälle kennt auch Heike Melzer, Neurologin und Psychotherapeutin. »Ich habe Patienten, die bis zu 40 Stunden in der Woche Pornos gucken«, sagt sie. Die Folgen sind gravierend: Sie leiden unter Orgasmusverzögerung, Unlust, Erektionsstörungen – und erleben reale Sexualität als zunehmend fremd. »Und die sagen: Ich zerstöre mir alles.«

Dabei sei nicht Häufigkeit des Konsums entscheidend, wie Rudolf Stark sagt, sondern die Auswirkungen. »Wenn Pornos zunehmend den Alltag bestimmen, Beziehungen verdrängen, berufliche Pflichten vernachlässigt werden – dann sprechen wir von einer Pornografie-Nutzungsstörung.«

Viele Betroffene merken erst spät, dass sie Hilfe brauchen – oft dann, wenn nichts mehr geht, sagt Stark. Häufig sei das mit massiver Verzweiflung oder Depression verbunden. Beratungsstellen wie Pro Familia können dann erste Anlaufpunkte sein. In manchen Fällen sei auch eine professionelle Therapie nötig.

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