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Abhängigkeit erkennen
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Bin ich süchtig?

Eine Sucht kommt nicht plötzlich. Doch ist sie da und hat die Kontrolle übernommen, kann sie lebensgefährlich sein. Einfach aufhören – das funktioniert nicht. Wann man süchtig ist, warum Herauskommen so schwer ist und was man tun kann.
AutorKontaktdpa
Datum 14.11.2024  10:00 Uhr

Acht Millionen Menschen in Deutschland haben eine Suchterkrankung. Doch was bedeuten Sucht und Abhängigkeit, etwa von Alkohol, Drogen oder Medikamenten? Und was kann man tun, um herauszukommen? Antworten geben Martin Voss, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Alexander Stoll, Chefarzt in der Entwöhnungstherapie.

Was ist eine Suchterkrankung?

In der medizinischen Klassifikationsliste ICD-10, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegeben wird, gibt es sechs Kriterien. Eine Abhängigkeitserkrankung liegt vor, wenn mindestens drei davon festgestellt werden:

  • Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang zu konsumieren.
  • Verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf den Beginn, die Beendigung oder die Menge des Konsums.
  • Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums.
  • Nachweis einer Toleranz, im Sinne von erhöhten Dosen, die erforderlich sind, um die ursprüngliche Wirkung durch niedrigere Dosen zu erreichen.
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Konsums sowie ein erhöhter Zeitaufwand, um zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen.
  • Anhaltender Konsum trotz des Nachweises eindeutig schädlicher Folgen, körperlich und psychisch.

Woran lässt sich erkennen, dass ein riskanter Konsum in eine Sucht übergeht?

»Eine Sucht hat man nicht von heute auf morgen«, sagt Martin Voss, Oberarzt im Suchtmedizinischen Zentrum der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im St. Hedwig-Krankenhaus Berlin. Sucht entwickelt sich allmählich und hat Vorstufen. Ein Warnsignal und Symptom für eine Konsumstörung ist der zunehmende Konsum selbst, erklärt Alexander Stoll, Chefarzt der Vivantes Entwöhnungstherapie Hartmut-Spittler-Fachklinik am Berliner Auguste-Viktoria-Klinikum: »Es wird mehr konsumiert und nie weniger.«

So dreht sich die Suchtspirale, sodass zunehmend Nebenwirkungen des Konsums ersichtlich werden – wie Kontrollverlust, Toleranzentwicklung oder Vernachlässigung von Beziehungen und anderer Aktivitäten zugunsten des Konsums. Voss zufolge sind das die entscheidenden Kategorien für eine Abhängigkeitserkrankung. Die Menge selbst spielt für die Diagnose letztlich nicht so eine entscheidende Rolle.

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