| Isabel Weinert |
| 24.04.2026 10:00 Uhr |
Viele Frauen, deren Haare unter einer Chemotherapie ausgegangen sind, möchten das erneute Wachstum unterstützen. Auf Biotin sollten sie dabei jedoch nicht setzen. / © Adobe Stock/andreaobzerova
In etlichen modernen Laboruntersuchungen kommt Biotin zusammen mit dem Eiweiß Streptavidin zum Einsatz, zu dem es eine hohe Bindungsaffinität hat. Mit dieser Technik lassen sich viele Blutwerte bestimmen. Führt ein Mensch nun Biotin von außen über Nahrungsergänzungsmittel zu, zirkuliert viel freies Biotin im Blut. Das tritt in Konkurrenz um die Bindungsstellen des Streptavidin mit den biotinylierten Reagenzien, die im Bluttest zum Einsatz kommen.
Auf diese Weise können Blutwerte falsch hoch oder falsch niedrig ausfallen – darunter Werte, die Onkologen genau kennen müssen, wie zum Beispiel TSH, Sexualhormone oder Hormon- und Tumormarker. Die falsche Einschätzung der gesundheitlichen Situation aufgrund verfälschter Blutwerte kann den Patienten schaden.
Deshalb ist es keineswegs trivial, wenn Krebspatientinnen ihrem Haarausfall mit Biotin entgegenwirken wollen. PTA sollten auf jeden Fall dazu raten, dieses Vorhaben mit den behandelnden Onkologen zu besprechen. Denn es reichen bereits geringe, als Nahrungsergänzung zugeführte Mengen an Biotin für die beschriebenen Effekte.
Alternativ können PTA lokal einzusetzendes Minoxidil empfehlen, das bei einem Haarverlust infolge einer Chemotherapie als sicher eingestuft ist. Sowohl Biotin als auch Minoxidil sind sicher im Hinblick auf die Gefahr, dass der Krebs erneut aufflammt, also auf das Rezidivrisiko.