Wer an Depressionen leidet, fühlt im Frühling manchmal eine Verschlechterung. / © Getty Images/martin-dm
Wenn draußen alles auf Aufbruch steht, kann sich das für Menschen mit Depressionen paradox anfühlen: Die Tage werden länger, die Stimmung im Umfeld steigt, alle freuen sich über das Wetter — aber die eigene Schwere bleibt.
Das hängt aber nicht unbedingt mit der Jahreszeit an sich zusammen, auch wenn man manchmal von Frühjahrsdepression lesen kann. »Eine Frühjahrsdepression gibt es aus wissenschaftlicher Sicht nicht«, sagt Professor Ulrich Voderholzer, Ärztlicher Direktor an der Schön Klinik Roseneck. »Eine Depression kann grundsätzlich immer auftreten, auch wenn wir es nicht erwarten.«
Dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zufolge kann es aber vorkommen, dass es Menschen mit bestehender Depression im Frühjahr schlechter geht. Möglicher Auslöser: der Erwartungsdruck, dass es einem jetzt, wo eine schöne Jahreszeit kommt, gut gehen muss. Die »eigenen Defizite im Rahmen einer Depression wie Antriebslosigkeit oder Freudlosigkeit« würden vor diesem Kontrast teils besonders stark wahrgenommen.
»Es ist eher ein soziales oder kulturelles Phänomen«, so Voderholzer. Man denkt, dass man an den schönen Aktivitäten, die im Frühling endlich wieder möglich sind, teilnehmen muss, und erlebt die Diskrepanz zum eigenen Leistungslevel dann umso stärker. Das kann das Gefühl von Einsamkeit verstärken und dazu führen, dass Betroffene sich noch mehr isolieren.
Ulrich Voderholzer macht aber Hoffnung. Sofern keine extrem schwere Depression vorliegt (dann fällt es ohnehin schwer, Ratschläge umzusetzen), gibt es eine ganze Reihe an Strategien, die helfen können, depressive Symptome zu verbessern.