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Gewöhnungsbedürftig, aber gesund
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Bitterstoffe bitter nötig

Was haben Rosenkohl, Radicchio, Chicorée oder Grapefruit gemeinsam? Richtig – ihr bitterer Geschmack, vorausgesetzt, er wurde nicht herausgezüchtet. Dabei sind es genau die Bitterstoffe, die diesen Lebensmitteln wertvolle gesundheitliche Vorteile verleihen.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 24.03.2025  14:00 Uhr
Dann ist bei bitter Vorsicht geboten

Dann ist bei bitter Vorsicht geboten

In wenigen Fällen kann ein bitterer Geschmack auch eine Warnung sein. Bestimmte Gemüsesorten – insbesondere aus eigenem Anbau – können durch natürliche Wachstumsprozesse bitter schmeckende Giftstoffe entwickeln. Schmeckt also natürlicherweise mildes Gemüse wie Zucchini, Gurke oder Kürbis plötzlich bitter – sei es roh oder gegart –, sollte es unter keinen Umständen verzehrt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. Ein bekanntes Beispiel ist die Grapefruit: Obwohl sie als besonders gesund gilt, kann ihr Bitterstoff mit zahlreichen Arzneimitteln interagieren und Nebenwirkungen auslösen oder verstärken. Ähnliches gilt für Bitterorange, Pampelmuse und Sternfrucht.

Auch bei bestimmten Erkrankungen ist Vorsicht geboten. Personen mit Magengeschwüren, Entzündungen der Gallenblase oder -wege, Zwölffingerdarmgeschwüren, Gastritis oder entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sollten Bitterstoffe nur in Maßen zu sich nehmen. Da sie die Magensäureproduktion anregen, können sie die Beschwerden verstärken.

Wirkungsverstärkung durch Grapefruitsaft bei: Wirkungsabschwächung durch Grapefruitsaft bei:
• Calciumkanalantagonisten vom Nifedipin-Typ
• Statine (Atorvastatin, Lovastatin, Simvastatin)
• Immunsuppressiva (Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus, Sirolimus)
• Ivabradin
• Ivacaftor
• Lomitapid
• Ranolazin
• Colchicin
• Terfenadin
• Aliskiren
• Bilastin
• Fexofenadin
• Celiprolol (evtl. Atenolol)
• Cyclophosphamid, Ifosfamid (Bioaktivierung durch CYP3A4)
Beispiele für die Wirkung von Grapefruitsaft auf Arzneimittel, Quelle: Gelbe Liste, Pharmindex

An bitter kann man sich gewöhnen

Wir haben Bitterstoffe also buchstäblich »bitter nötig«. Doch anstatt sie – wie inzwischen häufig – herauszuzüchten, rät die AOK, das Geschmacksempfinden zu trainieren. Das perfekte Beispiel, dass das möglich ist, ist: Kaffee. Was am Anfang zu herb erscheint, wird mit der Zeit zum Genuss. Das könnte auch erklären, warum Kinder manche Lebensmittel wie Spargel, Oliven oder Bier zunächst ablehnen, während Erwachsene diese gerne verzehren.

Bitterstoffreiche Lebensmittel sollten zudem mit Fett zubereitet werden. Die meisten Bitterstoffe sind fettlöslich und Olivenöl etwa nimmt einen Teil der Bitterstoffe auf und rundet gleichzeitig den Geschmack ab.

Darüber hinaus wird der Gewöhnung an Bitterstoffe ein weiterer spannender Effekt zugeschrieben: Wer weniger Zucker konsumiert und stattdessen häufiger Bitteres isst, empfindet den Geschmack nicht nur als angenehmer, sondern verliert nach und nach auch das Verlangen nach Süßem. Das kann zu einer bewussteren Ernährung führen – und langfristig sogar beim Abnehmen helfen.

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