| Verena Schmidt |
| 24.02.2026 08:00 Uhr |
Aufrecht und sicher im Arm der Mutter: So funktioniert eine Blutabnahme stressfrei. / © Adobe Stock/Kadmy
Manchmal geht es nicht ohne: Bei einigen Untersuchungen oder Behandlungen bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern ist ein Nadelpiks notwendig. Für das Kind ist das natürlich schmerzhaft; etwas ältere Kinder reagieren außerdem oft schon im Vorfeld mit Angst und Anspannung. Zwei Forscherinnen aus Kanada und Australien haben sich daher mit der Frage beschäftigt, was in dieser Situation helfen könnte. Die Ergebnisse ihrer Literaturrecherche haben sie in der Fachzeitschrift »Der Schmerz« zusammengefasst, herausgegeben von der Deutschen Schmerzgesellschaft, der Österreichischen Schmerzgesellschaft und der Swiss Pain Society.
Demzufolge sind zur Schmerzlinderung bei Neugeborenen und Säuglingen drei Maßnahmen nachgewiesen besonders wirksam: Stillen, Haut-zu-Haut-Kontakt sowie die Gabe einer kleinen Menge süßer Lösung mit Saccharose oder Glucose. Die beste wissenschaftliche Evidenz hat das Stillen, idealerweise vor und während des Nadelstiches. Die Kombination aus Körperkontakt, vertrautem Geruch und Herzschlag der Mutter, dem Saugen sowie dem leicht süßen Geschmack der Muttermilch reduziert nachweislich die Schmerzreaktion.
Auch wenige Tropfen einer süßen Lösung mit 15 bis 20 Prozent Saccharose oder Glucose helfen: Bereits 0,1 ml auf der Zunge des Säuglings reduzieren den Schmerz. Die Lösung sollte ein bis zwei Minuten vor der Behandlung gegeben werden, bei Bedarf kann sie auch erneut verabreicht werden. Der intensive süße Geschmack wirkt wohl beruhigend, unter anderem weil er die Freisetzung von Endorphinen anregt. Zusätzlich können neben den genannten Maßnahmen nicht nutritives Saugen, Einwickeln (»Swaddling«), sanfte Berührungen, das Halten in der sogenannten Froschstellung (»Facilitated tucking«), die die Selbstregulation des Kindes verbessern soll, sowie ruhiges Wiegen und Halten hilfreich sein. Die vorgestellten Maßnahmen helfen natürlich auch beim Impfen von Kindern. Das Robert-Koch-Institut etwa hat in einem Merkblatt ähnliche Tipps für schmerz- und stressfreies Impfen zusammengestellt.