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Wenn Ernährung und Fischöl nicht mehr reichen
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Cholesterolspiegel senken

Eine ausgewogene Ernährung bietet zwar einen gewissen Schutz vor Arteriosklerose im Allgemeinen und hohen Cholesterolwerten im Speziellen. Doch liegt der LDL- Cholesterolwert im Blut über 116 mg/dl, sind neben einer vollwertigen, fettarmen Ernährung und Lebensstiländerungen auch Medikamente vonnöten.
AutorKontaktBarbara Erbe
Datum 27.04.2021  14:30 Uhr

Ernährungseffekt begrenzt

Eine ausgewogene und vollwertige Ernährung mit Betonung auf frischem Gemüse, Obst, Salaten, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Fisch, Nüssen sowie gesunden pflanzlichen Ölen mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Oliven-, Raps- oder Leinöl wirkt einem erhöhten LDL-Spiegel entgegen, betont die Angiologin. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung empfiehlt in ihrer Leitlinie die »Verminderung der Aufnahme von trans- (also durch Verarbeitung des Lebensmittels mit Wasserstoff angereicherten) und gesättigten Fettsäuren wie sie beispielsweise in frittierten Lebensmitteln und Backwaren enthalten sind«.

Als förderlich sieht Gebauer auch die Aufnahme vieler Ballaststoffe, die zur einer Bindung von cholesterolhaltigen Gallensäuren im Darm führen und somit auf natürliche Weise eine Senkung des LDL-Spiegels erwirken. Phytosterol- haltige Lebensmittel wie etwa Pflanzenöle, Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchte haben ebenso einen positiven Effekt auf den LDL-Wert. Rotschimmelreis (Rot fermentierter Reis) enthält Monacolin K, welches sehr ähnlich dem Lovastatin ist. Zwar lässt sich durch den Rotschimmelreis der LDL-Spiegel in geringem Maße beeinflussen, jedoch sind im Rahmen der Produktion Verunreinigungen mit Toxinen häufig. Die sicherere Alternative stellt in jedem Fall ein zugelassenes Statin dar.

Grundsätzlich haben an erster Stelle auch die Reduktion von Übergewicht und regelmäßige körperliche Betätigung (≥ 30 min täglich) ihre Bedeutung und sollten vor einer Pharmakotherapie angestrebt werden. Eine besonders positive Wirkung auf Blutfettwerte und Herzschutz sei für hochgereinigte Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure) belegt, welche bei erhöhten Triglyceriden und hohem kardiovaskulären Risiko zusätzlich zu einer Statintherapie zum Einsatz kommen, betont Gebauer. »Sie senken das Herzinfarktrisiko signifikant.«

Statine besser als ihr Ruf

Wenn gesunde Ernährung, Bewegung und Gewichtsreduzierung nicht ausreichen, um das Herz-Kreislauf-Risiko wirksam zu senken, ist meist eine Behandlung mit Medikamenten angezeigt. Menschen, die noch nie einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten und keine anderen Risikofaktoren aufweisen, sollten einen LDL-Wert von weniger als 116 mg/dl im Blut anstreben, erklärt die Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin. 

Liegt der LDL-Wert aber höher oder ist die betroffene Person mit Risikofaktoren wie einem Diabetes mellitus, Bluthochdruck, einer Nierenfunktionsstörung oder genetisch vorbelastet, reiche ein gesünderer Lebensstil nicht aus: »Dann sind Statine sinnvoll.« Von dieser Medikamentengruppe sind in Deutschland eine ganze Reihe an Wirkstoffen zugelassen: Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pitavastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin. Sie alle hemmen die körpereigene Bildung von Cholesterol in der Leber in unterschiedlichem Ausmaß und sorgen so dafür, dass die Zellen mehr LDL-Cholesterol aus dem Blut aufnehmen. Wie stark die LDL-Wert-Senkung als Risikoreduktion durch Statine für eine einzelne Person sein sollte, hängt entscheidend vom individuellen Risiko ab. Je höher das Risiko, desto niedriger sollte der LDL-Wert sein.

Die meisten Menschen vertragen Statine gut, das ist auch den Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu entnehmen. Einzelne Studien deuten allerdings an, dass es eine kleine Gruppe von Personen gibt, die empfindlicher auf Statine reagieren und bei denen die Mittel Muskelschmerzen auslösen können. Gebauer hat eine Statin-assoziierte Rhabdomyolyse (Muskelauflösung) im klinischen Alltag noch nie erlebt und gibt zu bedenken, dass es durchaus Studien gebe, die zeigten, dass es sich bei den Muskelbeschwerden ebenso wie bei Juckreiz, Unwohlsein oder auch Flecken auf der Haut in den allermeisten Fällen um Nocebo-Effekte handele.

»Statine haben leider bei vielen einen schlechten Ruf, einige Patienten haben Angst vor ihnen.« Hier sei es Aufgabe von PTA, Apothekern und Ärzten zu erläutern, dass ernsthafte Nebenwirkungen äußerst selten auftreten. So trat die Nebenwirkung einer ernsthaften Muskelschädigung laut IQWiG in Studien bei einem von 10.000 Menschen auf, die längerfristig Statine anwendeten.

 

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