Sommerwonne am Freibadrand – damit das ohne gesundheitliche Folgen bleibt, ist es wichtig, den Intimbereich entsprechend zu schützen. / © Getty Images/photo by drazen zigic
So schön Sonne, Badewetter und Wärme auch sind, gerade der Intimbereich zahlt dafür häufig einen hohen Preis. Frauen sind besonders betroffen. Bis zu 60 Prozent von ihnen erleiden im Laufe ihres Lebens mindestens einen Harnwegsinfekt, und Pilzinfektionen zählen zu den häufigsten gynäkologischen Beschwerden. Wie auch bei der Vaginose lässt sich eine Häufung im Sommer beobachten. Wärme, Feuchtigkeit und Reibung schaffen ein Milieu, in dem Infektionen leichter Fuß fassen und sich die empfindliche Hautbarriere kaum erholen kann.
Eine bakterielle Vaginose entsteht, wenn die schützende Laktobazillen-Flora ins Ungleichgewicht gerät und Keime wie Gardnerella vaginalis die Oberhand gewinnen. Mykosen im Vaginalbereich, wie die meist durch Candida albicans ausgelöste Vulvovaginalcandidose, sind ebenfalls eine Folge davon, wenn das natürliche Gleichgewicht der Intimflora gestört ist.
Auch Harnwegsinfektionen häufen sich in der Hitze. Denn wer bei hohen Temperaturen zu wenig trinkt, produziert konzentrierteren Urin und Bakterien können sich leichter vermehren. Gehen Frauen dann seltener auf die Toilette, bleiben die Keime länger in der Blase und bekommen mehr Zeit, sich festzusetzen.
Enge, synthetische Kleidung verstärkt das Problem. Sie staut Wärme und Feuchtigkeit im Intimbereich und erleichtert es Escherichia coli – dem häufigsten Auslöser von Harnwegsinfekten –, in die Harnröhre aufzusteigen. Der Sommer bietet auch ideale Bedingungen dafür, dass Entzündungen in Hautfalten entstehen. Zu einer solchen Intertrigo führt das Zusammenwirken von Feuchtigkeit, Wärme und mechanischer Reibung. Zu den bevorzugten Lokalisationen gehören die Leisten und die Hautfalten in der Damm- und Genitalregion. Die Folge sind gerötete, juckende und leicht nässende Areale, die sich zusätzlich infizieren können.
Warum sind hohe Temperaturen überhaupt ein Problem, vor allem für den weiblichen Intimbereich? Die natürliche Schutzfunktion beruht bei Frauen auf dem Zusammenspiel der mechanischen Hautbarriere, dem Säureschutzmantel und dem Mikrobiom, das vor der Menopause zu über 70 Prozent aus Laktobazillen besteht. Hitze fördert Schwitzen, Feuchtigkeitsstau und mechanische Reibung. Anhaltende Feuchtigkeit mazeriert die oberste Schicht der Epidermis und schwächt die schützende Lipidbarriere. Reibung zwischen Haut und Kleidung kann zu Mikrorissen führen, die als Eintrittspforte für Infektionserreger dienen können.
Verschärft wird das Problem, wenn Frauen enge synthetische Kleidung tragen. Sie erzeugt einen Wärmestau, der die Schweißproduktion weiter steigert und gleichzeitig Feuchtigkeit auf der Haut akkumuliert, anstatt sie abzuleiten. Das entstandene Milieu — warm, feucht, schlecht belüftet — bietet Pilzen und Bakterien ideale Wachstumsbedingungen.
Ein weiterer, oft unterschätzter Mechanismus betrifft den pH-Wert. Schweiß ist mit einem pH-Wert von meist über 4,5 weniger sauer als die physiologische Vaginalflora mit einem pH-Wert von 3,8 bis 4,4. Ist die Region anhaltend Schweiß ausgesetzt, verschiebt sich das lokale Milieu ins Alkalische und das schwächt die Laktobazillen-Dominanz. Gerät die Balance aus dem Gleichgewicht, können sich fakultativ pathogene Keime wie Gardenerella vaginalis und Fannyhessia vaginae, früher Atopobium vaginae, ungehindert vermehren und eine vaginale Dysbiose ist die Folge.
Der wohl wichtigste Grundsatz bei der Intimpflege lautet: Weniger ist mehr. Die Vulva verfügt über natürliche Schutzmechanismen, die durch übermäßige Hygienemaßnahmen oder chemisch aggressive Reinigungsmittel destabilisiert werden. In den meisten Fällen genügt für die tägliche Reinigung der äußeren Genitalien lauwarmes Wasser. Die Vagina selbst bedarf keiner externen Reinigung. Wird eine Waschlotion verwendet, so sollte sie auf das leicht saure Vaginalmilieu eingestellt und frei von allergenen Duftstoffen, Alkohol und Konservierungsmitteln sein. Aggressive Tenside wie Sodium Lauryl Sulfat (SLS) können bei empfindlicher Haut Reizungen und allergische Reaktionen auslösen.
Nach der Reinigung wird die Haut sanft, aber gründlich trocken getupft. Beim Reiben können Mikrorisse entstehen, die die Haut anfälliger für Infektionen machen. Bei älterer, gestresster oder trockener Haut empfiehlt es sich anschließend, den Bereich mit einer dünnen Schicht rückfettender Creme zu pflegen. Die PTA kann dafür zu Produkten raten, deren Inhaltsstoffe die Haut beruhigen und ihre Schutzmechanismen unterstützen. Hyaluronsäure verbessert die Feuchtigkeitsversorgung der Haut, ohne stark zu fetten. Sie kann helfen, Spannungsgefühle und Trockenheit zu reduzieren.
Als natürlicher Feuchtigkeitsspender ist auch Aloe vera bekannt und kann bei leichter Hautreizung wohltuend sein. Panthenol kann irritierte Haut beruhigen und die Regeneration der Hautbarriere fördern. Pflanzliche Öle wie Mandelöl oder Sonnenblumenöl schützen empfindliche Haut vor Reibung und Feuchtigkeit. Glycerin wirkt feuchtigkeitsbindend und bewahrt vor Austrocknung. In moderaten Konzentrationen gilt es als gut verträglich. Auch Vitamin E ist ein empfehlenswerter Inhaltstoff, da es die Haut mit seinen antioxidativen Eigenschaften schützt und regenerierend wirkt.
Der Klassiker Milchsäure stabilisiert den physiologischen pH-Wert und trägt dazu bei, das natürliche mikrobielle Gleichgewicht des Intimbereichs aufrechtzuerhalten. Außer in Produkten zum äußerlichen Auftragen gibt es sie auch in Form von Zäpfchen oder Gelen zur vaginalen Anwendung.
Zur sinnvollen Intimpflege gehört auch geeignete Unterwäsche. Aus dermatologischer Sicht ist reine Baumwolle das Material der Wahl. Sie ist hygroskopisch, nimmt Schweiß auf, leitet Feuchtigkeit von der Haut weg und erlaubt einen Luftaustausch, der feuchte Milieus verhindert. Wer es etwas edler mag, kann zu Wäsche aus Seide greifen, die jedoch Feuchtigkeit weniger gut aufnimmt. Synthetische Materialien wie Polyester oder Nylon können zu einem Wärmestau führen. Schweiß wird nicht aufgenommen, sondern auf der Haut gehalten, und es entsteht das ungünstige feucht-warme Milieu.
Im Sommer darf Unterwäsche bei starkem Schwitzen auch ruhig mehr als einmal am Tag gewechselt werden. Vorm Baden im Meer oder Freibad kann eine wasserabweisende Salbe schützen. Wichtig ist es, Wechselkleidung mitzunehmen. Wer nasse Badekleidung zu lange am Körper lässt, schafft ideale Nährböden für Keime und die aufgeweichte Haut ist anfälliger für Verletzungen und Infektionen. Auch bei Hygieneartikeln spielt das Material eine Rolle.
Einweg-Slipeinlagen und -binden mit einer undurchlässigen Kunststofffolie auf der Rückseite stauen Wärme und Feuchtigkeit. Tampons sollten mehrmals täglich gewechselt werden und nie länger als sechs Stunden verbleiben. Frisch rasierte Haut reagiert bei Hitze oft empfindlicher. Kleine Mikroverletzungen können sich entzünden. Wer sich im Intimbereich rasiert, sollte scharfe Klingen und milde Pflegeprodukte verwenden und auf gute Hygiene achten.
Im Sommer entstehen auch im männlichen Intimbereich durch Schweiß, Wärme und Reibung ideale Bedingungen für Reizungen, Pilzinfektionen und bakterielle Entzündungen. Besonders betroffen sind Hautfalten, die Leistengegend sowie der Bereich unter der Vorhaut. Falls zur Reinigung Produkte verwendet werden, sollten sie wie bei Frauen mild, pH-hautneutral und unparfümiert sein.
Um ein feuchtes Milieu zu vermeiden, trocknen auch Männer den Bereich nach dem Waschen gründlich und wechseln verschwitzte Sportkleidung oder feuchte Badehosen möglichst rasch. Leichte Baumwollboxer sind als Unterwäsche zu bevorzugen. Bei starkem Schwitzen im Leistenbereich kann Körperpuder helfen. Juckreiz, Rötung, Brennen, unangenehmer Geruch oder weißliche Beläge können Hinweise auf Infektionen oder Entzündungen sein. Halten Beschwerden an – und das gilt für beide Geschlechter – sollte ein Arzt aufgesucht werden.