Irgendwann in den Nullerjahren ist der »Mukbang«-Trend in Südkorea durch einen eher kuriosen Zufall entstanden: Als ein Gamer auf der beliebten, koreanischen Streaming-Plattform »AfreecaTV« Hunger bekam und vor laufender Kamera genüsslich einen Becher Instant-Nudeln schlürfte, soll das bei den Zuschauern derart gut angekommen sein, dass sich schon bald etliche Nachahmer fanden.
Das Phänomen setzt sich aus den Wörtern »Muk-da« (essen) und »Bang Song« (Rundfunk/senden) zusammen, und beschreibt die Tätigkeit bereits ziemlich gut: Man filmt sich selbst beim Essen.
Dass das Phänomen ausgerechnet in Südkorea begann, ist kein Zufall. Nachdem die Mahlzeiten in der streng konfuzianisch geprägten Kultur Koreas von strengen Ritualen geprägt waren, hat sich die Esskultur in den letzten Jahrzehnten mit Aufkommen der Modernisierung des Landes radikal gewandelt. Junge Büroangestellte, geplagt von langen Arbeitszeiten und kurzen Mittagspausen, essen unter Zeitdruck schnell aufbereitetes Fast Food. Und oft tun sie das nicht mehr in geselligen Runden, wie es in der kollektivistischen Gesellschaft als Norm galt, sondern alleine vor ihrem Laptop.
»Für viele ist dieses gemeinschaftliche Essen, natürlich auch dem sozialen Miteinander förderlich. Und das hat dann schon einen psychologischen Vorteil«, sagt Experte Seitz.
Die Plattformen selbst halten sich bei der Beobachtung von Inhalten an Richtlinien – Tiktok zum Beispiel hat eine Community-Guideline, wonach potenziell gefährdende Inhalte mit Altersbeschränkungen belegt werden. Die Dienste böten erst einmal nur die Plattform für die Verbreitung an, sagt Holzapfel. Dennoch sei die fehlende Einordnung der Inhalte von Experten ein Problem.
»Am Ende ist ja Social Media eine Plattform über die sich Menschen erkundigen und auch ihr Wissen holen und auch natürlich Informationen teilen«, sagt Holzapfel. Dabei gebe es sicher auch positive Auswirkungen, zum Beispiel, weil man sich gut vernetzen könne. »Es gibt beispielsweise viele Rezepte und Kochvideos zu sämtlichen Ernährungsstilen.« Das Thema Ernährung sei in den sozialen Medien sehr präsent.