| Barbara Döring |
| 03.10.2023 14:55 Uhr |
Das Problem bei der Behandlung sei, dass die Therapie eines Symptoms ein anderes Symptom verschlechtern kann, etwa wenn sich Durchfall und Verstopfung abwechseln. »Was wir brauchen, ist ein Multi-Target-Ansatz, der an der Grundproblematik ansetzt und nicht an einzelnen Symptomen«, führte Labenz aus. Diesem Anspruch würden sowohl Ernährung, Psychotherapie, Probiotika als auch Phytotherapeutika gerecht. Als diätetische Maße sei die Low-Fodmap-Ernährung gut etabliert, bei der bestimmte blähende Kohlenhydrate eliminiert werden. Die Low-Fodmap-Diät sei jedoch kompliziert umzusetzen und bedürfe einer Ernährungsberatung. Wichtig zu wissen: Alle Patienten vermuten, dass ihre Beschwerden mit der Ernährung zusammenhängen. Denn sobald etwas gegessen wird, kommt der Magen-Darm-Trakt in Bewegung und kann Beschwerden auslösen, unabhängig davon, was gegessen wurde. Bei Verdacht auf eine Unverträglichkeit könnte eine Eliminationsdiät probiert werden, aber nicht länger als 14 Tage, rät Labenz.
Eine Mikrobiom-Modulation sollte spezifisch erfolgen und ein Probiotikum gewählt werden, zudem es eine entsprechende Studienlage gibt. Labenz betonte, dass auch Phytotherapeutika wie Pfefferminz- und Kümmelöl günstig auf das Mikrobiom wirken. Für Pfefferminzöl (Buscomint®, Digestopret®) seien die Ansatzpunkte bei Reizmagen und Reizdarm untersucht worden: Es entspannt die glatte Muskulatur, moduliert das Immunsystem, wirkt entzündungshemmend, beeinflusst das Mikrobiom und reguliert die Schmerzen im Bauchraum. Laut Labenz ist es damit ein klassischer Multi-Target-Ansatz. Kümmelöl wirkt ebenfalls auf das Mikrobiom, hat aber vor allem einen entblähenden Effekt. Entsprechend ist in der S3-Leitlinie zum Reizdarm Pfefferminzöl mit höchster Evidenz gegen Schmerz und Blähungen aufgeführt. /