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NSAR
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Diese Interaktionen können riskant sein

Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sind aus der Schmerzbehandlung nicht wegzudenken. Ganz unproblematisch sind die Wirkstoffe jedoch nicht; so passen sie etwa mit einigen Herz-Kreislauf-Medikamenten nicht gut zusammen. Was PTA beachten sollten und wie sie Patienten bei möglichen Interaktionen von NSAR gut beraten, erklärte Apothekerin Dr. Verena Stahl in einem Webinar der Apothekerkammer Brandenburg.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 19.02.2026  08:00 Uhr

Schlag auf die Nieren

Bei der Kombination von einem NSAR mit einem ACE- oder AT1-Hemmer besteht zusätzlich zur Verringerung des antihypertensiven Effekts ein erhöhtes Risiko für Nierenfunktionsstörungen und ein akutes Nierenversagen (ANV). Kommt noch ein Diuretikum dazu, ist das ANV-Risiko noch mal um 31 Prozent höher als bei der Zweierkombination – nicht umsonst spricht man in diesem Fall von einem »Triple Whammy«, einem Dreifachschlag auf die Nieren. Weitere Arzneistoffe, die über die Nieren ausgeschieden werden, können dann renal kumulieren.

Besonders hoch sei das Risiko für ein ANV in den ersten drei Wochen der Anwendung der Dreierkombination. »Noch problematischer wird es, wenn es heiß wird. Dann haben wir noch einen weiteren Faktor, der die Nierendurchblutung behindert«, sagte Stahl. Dabei ist das Problem nicht nur theoretischer Natur: In einer Datenanalyse der Barmer-Krankenkasse aus dem Jahr 2023 ließe sich der Triple Whammy bei jedem dritten über 80-jährigen NSAR-Anwender finden, berichtete Stahl. Bei jedem sechsten Patienten davon sei sogar schon eine Niereninsuffizienz ärztlich dokumentiert gewesen.

Bei der Einnahme von NSAR und einer gleichzeitigen dauerhaften Therapie mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel, Phenprocoumon, Warfarin, einem direkten oralen Antikoagulans (DOAK) wie etwa Dabigatran oder Rivaroxaban sowie Heparin treten Stahl zufolge zwei Probleme auf. Zum einen können sich gastroduodenale Ulzera bilden, da der Schutz der Zellen im Magen-Darm-Trakt durch die Prostaglandinsynthesehemmung ausgeschaltet ist. Zum anderen ist die Blutungsgefahr erhöht, weil sich beide Substanzen in ihrer gerinnungshemmenden Wirkung verstärken.

Wer braucht einen PPI zum NSAR?

Die Fachgesellschaften empfehlen bei gemeinsamer Dauertherapie den Einsatz eines Protonenpumpeninhibitors («PPI soll gegeben werden«), um das Blutungsrisiko zu senken. Das gilt vor allem, wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen, beispielsweise ein Alter des Patienten über 60 Jahre, schwere Begleiterkrankungen, Ulkus in der Vorgeschichte sowie eine Infektion mit Helicobacter pylori. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, etwa von systemischen Glucocorticoiden und selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI) wie Citalopram, Fluoxetin oder Sertralin, erhöht das Risiko für eine Ulkusblutung.

Übrigens: Auch bei einer NSAR-Dauermedikation allein soll bei einem zusätzlichen Risikofaktor außer dem Alter laut der S2k-Leitlinie »Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit« ein PPI gegeben werden. Für Coxibe, die gastrointestinal etwas verträglicher sind, gibt es eine »Sollte«-Empfehlung.

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