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Neueinführungen
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Duo zum Jahresauftakt

Zum 1. Januar kamen die beiden ersten neuen Wirkstoffe des Jahres 2026 auf den deutschen Markt. Remimazolam ist eine Innovation, die für die Allgemeinanästhesie und die prozedurale Sedierung gedacht ist. Nipocalimab kommt bei der Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis infrage.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 15.01.2026  08:00 Uhr

Remimazolam (Byfavo® 20 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung, Paion) ist ein ultra kurzwirksames Benzodiazepin-Sedativum. Der Wirkstoff bindet mit hoher Affinität an die Benzodiazepin-Bindungsstellen von Gamma-Aminobuttersäure-Typ-A-(GABAA-)Rezeptoren. Im Körper wird Remimazolam von Gewebe-Esterasen schnell zu einem inaktiven Metaboliten abgebaut, der eine etwa 300-mal geringere Affinität für diese Rezeptoren hat. Die 20-mg-Injektionslösung wird bei Erwachsenen zur prozeduralen Sedierung angewendet. Die Dosis muss patientenindividuell titriert werden, um eine wirksame Menge zu erhalten, mit der die gewünschte Sedierungstiefe erreicht wird und Nebenwirkungen minimiert werden. Ein Arzneimittel zur Aufhebung der Benzodiazepin-Wirkung (Flumazenil) muss sofort zur Anwendung verfügbar sein. Wichtig zu wissen: Die klinischen Wirkungen können bei schwerer Leberfunktionsstörung aufgrund der herabgesetzten Clearance ausgeprägter sein und länger andauern.

Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind Hypotonie, Atemdepression und Bradykardie. Ein spezieller Warnhinweis in der Fachinformation widmet sich diesen kardiorespiratorischen Nebenwirkungen. Ein anderer Warnhinweis klärt darüber auf, dass die gleichzeitige Anwendung von Remimazolam und Opioiden zu starker Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen kann. Zudem ist der Konsum von Alkohol vor der Gabe von Remimazolam für 24 Stunden zu vermeiden. Die gleichzeitige Anwendung kann die klinischen Wirkungen von Remimazolam potenziell verstärken.

Toleranz möglich

Patienten, die eine Dauertherapie mit Benzodiazepinen erhalten, können eine Toleranz gegenüber den sedierenden Wirkungen von Remimazolam entwickeln. Daher ist unter Umständen eine höhere kumulative Dosis erforderlich, um die gewünschte Sedierung zu erreichen. Kontraindiziert ist das Präparat bei Patienten mit instabiler Myasthenia gravis. Aus Vorsichtsgründen soll eine Anwendung von Byfavo während der Schwangerschaft vermieden werden. Ein Risiko für Neugeborene und Säuglinge ist nicht auszuschließen. Daher ist die Anwendung von Remimazolam bei stillenden Müttern zu vermeiden. Wenn die Notwendigkeit zur Anwendung besteht, wird empfohlen, das Stillen nach der Anwendung 24 Stunden lang zu unterbrechen. In dieser Zeit müssten Mütter dann die Milch abpumpen und verwerfen.

Neben der 20-mg-Injektionslösung gibt es seit Anfang Januar auch Byfavo® 50 mg Pulver zur Herstellung einer Injektions-/Infusionslösung. Dieses Arzneimittel zählt aufgrund der höheren Wirkstärke zu den Betäubungsmitteln. Es wird angewendet bei Erwachsenen zur intravenösen Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie.

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