| Sven Siebenand |
| 15.01.2026 08:00 Uhr |
Bei der generalisierten Myasthenia gravis (gMG) ist die synaptische Übertragung an der neuromuskulären Endplatte beeinträchtigt. Dies unterbricht die Fähigkeit der Nerven, den Muskel zu stimulieren und führt zu einer schwächeren Kontraktion. Meist lassen sich Autoantikörper nachweisen. Der neue Wirkstoff Nipocalimab (Imaavy® 185 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Johnson & Johnson) ist als Zusatzbehandlung zur Standardtherapie von gMG bei erwachsenen und jugendlichen Patienten ab zwölf Jahren zugelassen, wenn Autoantikörper entweder gegen den Acetylcholinrezeptor oder gegen die muskelspezifische Tyrosinkinase vorliegen.
Nipocalimab ist ein Hemmstoff des neonatalen Fc-Rezeptors (FcRn). Dieser Rezeptor schützt die bei gMG vorliegenden Autoantikörper vor dem lysosomalen Abbau und erhöht damit deren Halbwertszeit. Dadurch, dass der neue Antikörper an FcRn bindet, können die Autoantikörper dort nicht mehr andocken. Sie werden dann schneller abgebaut. Es wird davon ausgegangen, dass dies die Muskelfunktion verbessert. Dieses Wirkprinzip ist nicht neu. Auch die beiden bei Myasthenia gravis zugelassenen und bereits verfügbaren Wirkstoffe Rozanolixizumab und Efgartigimod alfa sind FcRn-Blocker.
Nipocalimab wird intravenös infundiert. Die empfohlene Initialdosis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren sind 30 mg/kg Körpergewicht. Danach wird zu einer Erhaltungsdosis von 15 mg/kg Körpergewicht alle zwei Wochen geraten. Die initiale Einzeldosis soll über einen Zeitraum von etwa 30 Minuten verabreicht werden; die Erhaltungsdosen können dann über einen Zeitraum von etwa 15 Minuten gegeben werden. Sehr häufig beobachtete Nebenwirkungen sind Muskelspasmen, periphere Ödeme, erniedrigtes Albumin im Serum und erhöhte Lipide. Wegen Letzterem sollen die Plasmalipidspiegel etwa zwölf Wochen nach Behandlungsbeginn bestimmt werden. Bei Jugendlichen (12 bis unter 18 Jahre) und bei Patienten mit hohem Körpergewicht/BMI (zum Beispiel ≥ 125 kg oder BMI > 35 kg/m²) soll anschließend eine engmaschigere, regelmäßige Überwachung in Betracht gezogen werden.