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Verstopfungen
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Fünf Mythen über Laxanzien

Um Abführmittel ranken sich zahlreiche Mythen und Fehlannahmen. Teilweise sind sie so tief verankert, dass sie eine leitliniengerechte Therapie erschweren. Umso wichtiger ist es, aufzuklären und mit den hartnäckigsten Irrtümern aufzuräumen.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 04.02.2026  08:00 Uhr

In Deutschland leiden rund 15 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal jährlich unter Verstopfung; Frauen und ältere Menschen sind häufiger betroffen. Die lange gebräuchliche Einteilung allein anhand der Stuhlfrequenz – nach dem Motto »von dreimal täglich bis alle drei Tage ist normal« – ist der Gastroenterologin Dr. Viola Andresen vom Medizinicum in Hamburg zufolge überholt. Darauf wies sie bei einem Pressegespräch der Firma Opella, einer Tochter des Sanofi-Konzerns, hin. »Eine Stuhlentleerung alle drei Tage ohne Beschwerden ist normal, während eine tägliche Entleerung von sehr hartem Stuhl mit starkem Pressen als Verstopfung gilt«, erklärte sie unter Verweis auf die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). Die Ursachen für eine Verstopfung seien vielfältig, daher rät sie bei dauerhaften Beschwerden zu einer ärztlichen Abklärung.

Die Basis jeder Therapie bildet laut Leitlinie eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung (30 g Ballaststoffe pro Tag), eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5 bis 2 l) sowie körperliche Aktivität. In diesem Bereich gibt es allerdings schon einige falsche Annahmen.

Mythos 1: Verstopfungen sind immer selbstverschuldet und können mithilfe gesunder Ernährung, viel Trinken und ausreichend Bewegung behoben werden.

»Eine gesunde und ballaststoffreiche Ernährung ist prinzipiell wichtig und sollte empfohlen werden«, so Andresen. Doch viele Patienten mit chronischer Obstipation nähmen bereits mehr Ballaststoffe zu sich als die durchschnittliche Bevölkerung, da sie langfristig versuchen, die Beschwerden zu lindern. Zudem könne eine weitere Erhöhung der Ballaststoffzufuhr die Symptome sogar verschlechtern. Den Aspekt der Flüssigkeitszufuhr gilt es ebenfalls differenziert zu betrachten. Zu wenig zu trinken kann eine Verstopfung verstärken. »Übermäßig viel trinken ergibt hingegen keinen Sinn«, betonte die Ärztin. Das Mehr an Flüssigkeit käme nicht im Dickdarm an, sondern werde bereits im Dünndarm resorbiert und über den Urin ausgeschieden.

Körperliche Aktivität regt bei Gesunden die Darmtätigkeit an und ist generell empfehlenswert. Bei älteren Patienten spielen jedoch oft mehrere Faktoren eine Rolle, sodass Bewegung allein nur begrenzt hilft. Ein gezieltes Toilettentraining könne hier sinnvoll sein, insbesondere bei Personen, die beruflich Stuhldrang unterdrücken müssen, etwa Busfahrern.

Je nach Ursache unterscheidet man verschiedene Formen der chronischen Obstipation, unter anderem Entleerungsstörungen und Störungen der Darmpassage. Führen Basismaßnahmen nicht zum Erfolg, stehen bei Entleerungsstörungen zunächst rektale Anwendungen wie Suppositorien oder Klysmen im Vordergrund, während bei einer verlängerten Transitzeit Laxanzien eingesetzt werden.

Als Erstlinientherapie nennt die Leitlinie bei den osmotischen Substanzen Macrogol (zum Beispiel Movicol®) und bei den stimulierenden Natriumpicosulfat (zum Beispiel Laxoberal®) und Bisacodyl (zum Beispiel Dulcolax®). Auch die Kombination beider Substanzgruppen sei möglich, so Andresen. »Oft wird diese Stufe der Therapie nicht ausreichend ausgenutzt oder aufgrund von Vorbehalten wieder abgesetzt«, bemängelte sie.

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