Nicht jede Harnwegsinfektion erfordert sofort ein Antibiotikum. Leichte Beschwerden lassen sich in vielen Fällen mit freiverkäuflichen Präparaten lindern.Typische SymptomeSchmerzen und Brennen beim Wasserlassen (Dysurie)stark erhöhter Harndrang bei nur kleinen Urinmengen (Pollakisurie)Gefühl der unvollständigen Blasenentleerungmitunter Blut im Urin (Hämaturie)Ursachenmeist bakterielle Infektion, in circa 80 Prozent der Fälle durch Escherichia coli (E. coli)Darmbakterien steigen über Harnröhre in die Blase aufbei Frauen: kürzere Harnröhre erhöhen Infektionsrisikoniedrige Estrogenspiegel (etwa in den Wechseljahren) begünstigen InfekteSchmerzen lindernnicht steroidale Antirheumatika (NSAR): schmerzlindernd und entzündungshemmend; zum Beispiel Ibuprofen (wie Dolormin® extra) 3 × täglich 400 mg für maximal drei bis vier TageButylscopolamin (wie Buscopan®): bei krampfartigen Unterbauchschmerzen; 1 bis 2 Tabletten (10 mg) bei Bedarf alle 6 bis 8 Stunden, maximal 6 Tabletten/Tag für maximal 5 TageBärentraubenblätterArbutin aus Bärentraubenblättern (wie Cystinol akut®, Arctuvan®): Umwandlung zu Hydrochinon, keimhemmendgute Studienlage: S3-Leitlinie nennt Arbutin als nicht antibiotische Behandlungsoption bei akutenunkomplizierten HarnwegsinfektenWirkung unabhängig vom pH-Wert des Urins3 × täglich 2 Tabletten Arbutin (105 mg)Anwendungsdauer: maximal 7 Tagehöchstens fünfmal pro Jahrnicht in der SchwangerschaftStandardisierter PflanzenextraktKombination aus Liebstöckelwurzel, Rosmarinblättern und Tausendgüldenkraut (BNO 1045, wie in Canephron®, Canephron® Uno)entzündungshemmend, krampflösend und leicht diuretisch3 × täglich 108 mg BNO 1045 über maximal 2 Wochengute Studienlage: S3-Leitlinie nennt BNO 1045 als nicht antibiotische Behandlungsoption bei akuten unkomplizierten HarnwegsinfektenScharfe HilfeSenföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich (wie Angocin® Anti-Infekt): antibakteriell wirksam3 bis 5 × täglich je 4 bis 5 Filmtabletten (Standarddosis: 3 × täglich 4 Filmtabletten)unterstützende Wirkung bei akuten Infekten und zur PräventionMannose & Cranberryunterstützende Wirkung bei akutem Infekt und zur Präventionverhindern Anhaften von E-Coli-Bakterien an das Epithel der HarnwegeCranberry: Saft, Tabletten, Kapseln oder Sirup – keine einheitliche DosierungsempfehlungD-Mannose (wie Femannose®, Femalac): 2 g täglich; infektiöse Bakterien und Zucker werden über Urin ausgeschiedenBlasen- und Nierenteeharntreibende Drogen wie Goldrute, Brennnessel oder SchachtelhalmEvidenz begrenztals begleitende Maßnahme sinnvoll, nicht als alleinige TherapieNicht medikamentöse MaßnahmenTrinkmenge: mindestens 2 bis 2,5 Liter Flüssigkeit pro TagMuskulatur entspannen: etwa mit einer Wärmflasche auf dem Unterbauch oder warmen Sitzbädern)regelmäßige zur Toilette gehen, Harndrang nicht unterdrückennach dem Geschlechtsverkehr Blase entleerennach dem Stuhlgang von vorne nach hinten reinigenspermizide Verhütungsmethoden (wie beschichtete Kondome) meidenGrenzen der SelbstmedikationBlut im Urin(meist einseitige) Flankenschmerzen: Hinweis auf NierenbeteiligungFieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Erbrechenausgeprägtes KrankheitsgefühlSchwangerschaftKinder, Männer, ältere (multimorbide) PatientenImmunsuppression, Diabetes mellitus oder Harnabflussstörungenkeine Besserung nach ein bis drei Tagenhäufige Rezidive (> 3 Infekte pro Jahr)