Schön, aber nicht gerade förderlich für die Fußgesundheit: Schuhe mit hohen Absätzen und spitz zulaufendem Vorfußbereich können die Probleme beim Hallux valgus verstärken. / © Getty Images/Sirintra_Pumsopa
Rund 1,3 Millionen Menschen sind laut Deutscher Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hierzulande Jahr für Jahr wegen eines Hallux valgus in ärztlicher Behandlung – einer Fußfehlstellung, die in erster Linie genetische Ursachen hat. Vor allem Frauen sind von der im Volksmund auch Ballenzehe genannten Fußfehlstellung betroffen, meist ab dem 50. Lebensjahr und vermutlich, weil sie oft schwächere Sehen und Bänder im Fuß haben und häufiger hohe beziehungsweise enge Schuhe tragen.
Beim Hallux valgus verschiebt sich der erste Mittelfußknochen allmählich nach außen und die Zehe wandert nach innen. Dadurch wird der Vorfuß breiter und der Ballen wölbt sich auf der Innenseite vor. »Ein Hallux valgus kann Schmerzen bereiten, tut es aber nicht immer – selbst wenn er sehr ausgeprägt ist«, berichtet Professor Dr. Sebastian Baumbach, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in München und einer der federführenden Autoren der S2-Leitlinie »Hallux valgus«, die Anfang des Jahres aktualisiert wurde.
Vor allem schmerzt und entzündet sich der Ballen, wenn ein Schuh drückt. Je spitzer der Schuh und je höher der Absatz, desto größer der Druck – allerdings können auch weite Schuhe drücken, wenn der Ballen stark prominent ist. Auch kann die Verformung Nerven am großen Zeh schädigen und dort zu Taubheit führen. Dadurch verliert manchmal der große Zeh an Beweglichkeit. Schließlich können sich Hammer- oder Krallenzehen entwickeln und an den Druckstellen Hühneraugen.
Um die Behandlungsentscheidung zu erleichtern, haben die Autorinnen und Autoren der aktuellen Leitlinie bei der Klassifikation die Zahl der Schweregrade von drei auf zwei reduziert. Künftig gebe es nur noch »leicht bis moderat« und »schwer«, erläutert Baumbach, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) ist. »Die Unterscheidung zwischen leicht und moderat war nicht sinnvoll, weil die Behandlungssituation exakt die gleiche war.«
Eine zentrale Botschaft der Leitlinie ist zudem, dass mindestens drei Monate lang versucht werden soll, die Symptome auf konservative Art zu lindern, also den Fuß zu entlasten und beweglicher zu machen, bevor eine Operation ins Auge gefasst wird. Dies kann durch Schienen geschehen, die – in der Nacht getragen – den großen Zeh gerade halten, vor allem aber durch das Tragen flacher Schuhe, die allen Zehen genug Platz lassen und die man bei Beschwerden an Zehen oder Ballen polstern lassen kann. Bei Schmerzen am Mittelfuß können Einlagen oder auch eine Ballenrolle an der Schuhsohle unterstützen. Auch viel barfuß zu laufen wird häufig empfohlen, ebenso wie krankengymnastische Übungen zur Stärkung und Dehnung der Fußmuskeln. Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), systemisch oder lokal, können – allerdings nicht dauerhaft – Schmerz und Entzündung lindern.