»Das Messer jedenfalls erfüllt längst nicht immer die Erwartungen«, berichtet Baumbach. Was auch daran liege, dass diese Erwartungen oftmals unhaltbar hoch seien. »Es gibt Patientinnen, die meinen, dass sie nach einer Operation am Hallux valgus wieder tanzen wie mit 18 und auch wieder hohe, enge Schuhe tragen.« Das sei aber nicht immer möglich. Daher ist das Erwartungsmanagement vor allem bei milden Symptomen wichtig – »am zufriedensten nach einer Operation sind Menschen mit schwereren Symptomen«. Denn wenn alle konservativen Maßnahmen scheitern, kann eine Operation durchaus Schmerzen lindern und die Belastbarkeit des Fußes erhöhen, sodass die betroffene Person wieder normal gehen kann. Auch kann sie Arthrose sowie Hammer- und Krallenzehen vorbeugen und last, but not least das Aussehen des Fußes verbessern.
Der wichtigste Schritt bei der Operation ist die Korrektur der knöchernen Fehlstellung. Das heißt, dass entweder durch das Durchtrennen und Verschieben oder durch eine Gelenkversteifung, die Zehe wieder gerade ausgerichtet wird. Die Stabilisierung der Knochen erfolgt mittels Draht, Schrauben oder Platten. Häufig wird zusätzlich die Gelenkkapsel gerafft und die Länge der Sehnen angepasst. Das Ziel ist, dass der große Zeh wieder gerade ausgerichtet ist und die Last des Körpers, vor allem beim Abrollen, wieder aufnehmen kann.
Die minimalinvasive Operationstechnik wird in der neuen Leitlinie erstmals erwähnt – und als mindestens gleichwertig gesehen wie die »normale« Operation. Baumbach bekräftigt: »Das bringt meist die gleiche Zufriedenheit bei einem wesentlich geringeren Eingriff.« Ein Eingriff dauert zwischen 30 und 100 Minuten und kann sowohl unter örtlicher Betäubung als auch unter Vollnarkose vorgenommen werden.
Da die Operation Zehen und Mittelfuß begradigt, bessern sich die Beschwerden in der Regel nach einigen Monaten. Viele Menschen können den Fuß nach der Operation wieder stärker belasten, und das Laufen fällt ihnen leichter. Dennoch kommt es auch vor, dass Operierte weiterhin Schmerzen haben oder der Fuß weniger beweglich ist als zuvor, weil der Eingriff das Großzehen-Grundgelenk etwas versteift, sodass sich der Fuß beispielsweise beim Gehen nicht mehr wie gewohnt abrollen lässt.
Darüber hinaus sind Füße allgemein recht anfällig für Wundheilungsstörungen, denn sie sind nicht so gut durchblutet wie andere Körperteile und werden beim Gehen regelmäßig belastet. Wer ohnehin schon Durchblutungsstörungen hat, beispielsweise aufgrund einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) oder eines diabetischen Fußes, trägt nach einer Operation ein erhöhtes Risiko für Wundheilungsstörungen oder eine chronische Wunde. Deshalb raten Ärztinnen und Ärzte bei solchen Erkrankungen manchmal von einer Operation ab. Auch Rauchen erhöht das Risiko für Wund- und Knochenheilungsstörungen, da es die Durchblutung des Gewebes verringert. Das Risiko dafür lässt sich durch einen Rauchstopp – wenigstens in den Wochen vor und nach dem Eingriff – verringern.
Ein Hallux valgus kann sich nach einer Operation auch erneut bilden. Um dem vorzubeugen, empfehlen Fachleute, weiter keine engen Schuhe zu tragen. Allerdings sind – entgegen häufiger Vermutungen – enge Schuhe nicht der Auslöser: Sie verstärken eher die Probleme – vor allem Schuhe mit hohen Absätzen und spitz zulaufendem Vorfußbereich. Die Hauptursache für die Entwicklung eines Hallux valgus ist die erblich bedingt Anfälligkeit, möglicherweise sind die Sehnen und Bänder im Fuß bei Betroffenen etwas schwächer. Weitere Risikofaktoren sind Gelenkerkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis. Auch verkürzte Achillessehnen und Wadenmuskeln können dazu beitragen, dass ein Hallux valgus entsteht, ebenso kann er sich aus einem Spreizfuß oder einem Knick-Senk-Fuß entwickeln.