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Kaputtes Knie
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Operieren oder nicht? 

Pro Jahr bekommen zwischen 165.000 und 200.000 Menschen in Deutschland ein künstliches Kniegelenk (Knie-TEP). Hinzu kommen Teilprothesen und andere operative Eingriffe an den Knien. Was spricht für und was gegen eine Operation?
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 15.05.2026  08:00 Uhr

Wer Schmerzen im Knie hat, weiß, wie sehr das Leiden die Lebensqualität abstürzen lässt, weil nicht »nur« der Schmerz  belastet, sondern auch die damit verbundene, oft starke Immobilität. Gerade jüngere Menschen wollen das nicht hinnehmen. Ob eine Operation die Situation bessern oder gar heilen kann, das hängt unter anderem deutlich von der Ursache ab, also etwa einem akuten Unfall oder einer verschleißbedingten Arthrose.

Häufig resultieren Knieschmerzen aus einem Meniskusriss. Dabei unterscheiden Mediziner den akuten, blockierenden Riss vom Verschleißriss degenerativen Ursprungs. Während Ersterer in aller Regel operativ repariert wird, empfiehlt man heute bei Letzterem ein konservatives Vorgehen als erste Wahl. Erst wenn das, bestehend aus Physiotherapie, Muskelaufbau und geeigneter Bewegung, nichts bessert, zieht man eine Operation in Erwägung. Denn Studien zeigen, dass es bei Verschleißrissen im Ergebnis keinen Unterschied macht, wenn man Patienten, die sich haben operieren lassen ein Jahr danach mit jenen vergleicht, die sich in diesem Jahr für eine konservative Therapie entschieden haben.

Nicht immer Korrelation

Unterschiede existieren auch bei Verletzungen des Kreuzbandes. Ein instabiles Knie bei Sportlern, womöglich mit weiteren Verletzungen, indiziert eine Operation. Bleibt das Kreuzband hingegen durch eine gute Muskulatur stabil und handelt es sich eher um ältere, weniger aktive Menschen, so kann eine konservative Therapie ausreichen. Auch eine Arthrose, wie sie bereits immer mehr Menschen mittleren Alters betrifft, stellt selbst bei höherem Schweregrad nicht automatisch eine Indikation für eine Operation dar. Hier kommt es zum Beispiel darauf an, ob sich Knorpel- oder Knochenteile abgelöst haben, aber auch und vor allem darauf, wie stark die Beschwerden sind, über die der Patient berichtet.

Denn der Grad einer Arthrose korreliert nicht zwangsläufig mit dem Ausmaß der Symptome. Es gibt Menschen mit im MRT deutlich sichtbaren starken arthrotischen Veränderungen, aber so gut wie gar keinen Symptomen. Und dann wiederum solche, deren Knie kaum abgenutzt ist und trotzdem heftige Beschwerden macht. Warum das so ist, daran forschen Wissenschaftler noch. Nicht zuletzt spielt bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation der Leidensdruck eine maßgebliche Rolle. Ein jüngerer, bewegungsfreudiger Mensch, der den Schmerz als extreme Einschränkung empfindet, wird eher operiert als ein Mensch, der ohnehin zur Immobilität neigt, Bewegung nicht vermisst und in Ruhe kaum Schmerzen spürt.

Der Bundesverband Medizintechnologie bietet mit www.gelenkersatz-bewegt.de eine Checkliste für Patienten mit Schmerzen am Hüft- oder Kniegelenk an. Dabei rät der Verband Betroffenen zunächst zum Besuch beim Hausarzt, um abzuklären, ob das Gelenk tatsächlich die Ursache der Schmerzen ist. Wenn sich der Verdacht bestätigt, sollen Patienten an Fachärzte überwiesen werden, die eine hohe Expertise auf dem Gebiet des Gelenkersatzes haben. Spricht alles für eine Operation, rät der Verband von längerem Zögern ab. Um wirklich einen guten Chirurgen zu finden, sollten Patienten darauf achten, dass der Mediziner pro Jahr mindestens 50 Gelenkersatz-Operationen durchführt.

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