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Drei neue Indikationen
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Ingwer ist Arzneipflanze des Jahres 2026

Die Arzneipflanze des Jahres 2026 ist Ingwer. Ausgezeichnet wurde er vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde und der Gesellschaft für Phytotherapie – unter anderem, weil im Zuge einer Neubewertung der Wurzel gleich drei neue Anwendungsgebiete benannt wurden.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 07.01.2026  16:00 Uhr

Ingwer ist eine antiemetisch, karminativ und antiphlogistisch wirkende Scharfstoffdroge, die weltweit verbreitet ist und schon vor fast zweitausend Jahren als erwärmend, verdauungsfördernd, magenstärkend und milde den Stuhl anregend galt.

Das allein ist jedoch noch nicht Grund dafür, dass Ingwer zur Arzneipflanze des Jahres erhoben wurde. Vielmehr war auch eine grundsätzliche Neubewertung durch den Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA ausschlaggebend. So werden in der aktualisierten HMPC-Monographie von 2025 nun fünf Indikatoren für den traditionellen Gebrauch genannt. Neu sind die letzten drei Anwendungsgebiete:

  1. Linderung der Symptome für Reisekrankheit,
  2. symptomatische Behandlung leichter, krampfartiger Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Blähungen und Flatulenz,
  3. vorübergehende Appetitlosigkeit,
  4. Linderung leichter Gelenkschmerzen sowie
  5. Linderung von Erkältungssymptomen.

Die beste Datenlage besteht laut Studienkreis für gastrointestinale Effekte, Schwangerschaftsübelkeit und als Adjuvans bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit. Bei der Reisekrankheit dagegen sei die Datenlage nicht einheitlich. Als problematisch gelten die Qualitätsunterschiede der Nahrungsergänzungsmittel mit Ingwer: Eine Untersuchung habe ergeben, dass der Gehalt an Gingerol, dem Hauptvertreter der nicht flüchtigen Scharfstoffe, zwischen 0,0 und 9,42 mg pro Gramm schwankt und die in vielen Produkten gefundenen Shogaol-Gehalte auf unsachgemäße Lagerung oder Verarbeitung hindeuten. Shogaole schmecken schärfer und bilden sich erst während der Lagerung durch Wasserabspaltung aus den Gingerolen.

Häufige unerwünschte Nebenwirkungen sind gastrointestinale Beschwerden wie Magenverstimmung, Aufstoßen, Dyspepsie, Sodbrennen und Übelkeit. Auch Überempfindlichkeitsreaktionen sind möglich. Bei Gallenleiden sollten Ingwerprodukte nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden, da Ingwer leicht galletreibend wirkt. Wechselwirkungen sind keine bekannt. Kindern unter sechs Jahren sollten keine Ingwerpräparate verabreicht werden. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf eine Einnahme verzichtet werden beziehungsweise Rücksprache mit der Ärztin oder dem Art gehalten werden.

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