Der Begriff »Trigger« ist laut Psychologe Christian Rupp mit dem Konzept des Traumas verwandt und hängt eng mit der wissenschaftlichen Erforschung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zusammen. / © Getty Images/Portra
Mit Formulierungen dieser Art werde die »Verantwortung für die Auslösung des Gefühls dem Gegenüber zugeschoben wird«, schreibt Psychologe und Psychotherapeut Christian Rupp auf seinem Blog. Der Trend, »primär andere Menschen für die eigenen Gefühle verantwortlich zu machen«, betrachte er mit großer Sorge. Denn: So werde das Gegenteil von Selbstwirksamkeit erreicht. Statt Verantwortung für das eigene Gefühl zu übernehmen, werde das »Selbstbild als hilfloses Opfer, dem ›Böses angetan‹ wurde«, zementiert.
Langfristig könne das zu »chronifizierten psychischen Problemen« führen, schreibt der Psychotherapeut weiter. Denn die eingenommene Opferrolle gehe mit dem Anspruch an die Menschen im eigenen Umfeld einher, dass sie »gefälligst Rücksicht auf die eigenen ›Triggerpunkte‹ zu nehmen haben«. Das sei ein »völlig überhöhter und unrealistischer Anspruch«, der letzten Endes nur enttäuscht werden könne.
Rupp macht an einem Beispiel deutlich, was er für einen besseren sprachlichen Umgang hält. Die Situation: Eine Person, die durch wiederholte Lernerfahrungen mit einer abwertenden, demütigenden Mutter eine Prägung dahingehend erworben hat, sich selbst für klein, unfähig und wertlos zu halten, wird beim Bäcker flapsig angesprochen. Anstatt davon zu sprechen, »getriggert« worden zu sein, ist dem Psychotherapeuten eine Formulierung wie »Das Verhalten hat bei mir Scham ausgelöst und mich klein fühlen lassen, weil mich ihr Tonfall an das herabwürdigende Verhalten meiner Mutter erinnert hat« passender.
Die sprechende Person macht dem Psychologen zufolge so klar, woran sie selbst ansetzen kann, wenn sie das Gefühl bewältigen möchte. In diesem Beispiel etwa an der eigenen biografischen Prägung, für die sie selbst keine Schuld trägt. »Die Verantwortung für den Umgang mit dieser Prägung in der Gegenwart obliegt ihr derweil sehr wohl, ob sie nun will oder nicht«, so Rupp.