Die positive Nachricht: »Klaustrophobie ist gut behandelbar«, sagt Tobias Freyer. »Es lohnt sich unbedingt, therapeutische Hilfe zu suchen.« In vielen Fällen bietet sich zur Behandlung eine Verhaltenstherapie an. Mit der Unterstützung eines Therapeuten oder einer Therapeutin werden die Ursachen der Angst ergründet und gemeinsam Strategien entwickelt, wie Betroffene den Denkmustern, die ihre Phobie aufrechterhalten, gegensteuern können.
Je nach Fall kommen zur Behandlung auch eine Konfrontationstherapie, bei der sich Menschen mit Klaustrophobie zum Beispiel bewusst in Räume begeben, die sie fürchten, Medikamente oder das Erlernen von Entspannungsübungen infrage, um die Angststörung zu bewältigen.
Doch auch kurzfristig gibt es ein paar Tricks, die helfen, mit Enge besser klarzukommen – und dabei generell etwas gegen die Klaustrophobie zu tun. »Denn wer klaustrophobische Situationen meidet, wie der Teufel das Weihwasser, zementiert sie langfristig«, sagt Schiele. »Man muss sich mit der Angst auseinandersetzen und sich auch Gelegenheit geben, sie zu widerlegen.«
Belastungen wie Stress, Druck, Erschöpfung oder Hitze tragen häufig dazu bei, dass Betroffene anfälliger für eine klaustrophobische Erfahrung werden – insbesondere auf Reisen. Deshalb gilt generell: »Ausgeruht und entspannt, satt und auch mit genug Getränke-Input, fällt es leichter, Ängsten zu begegnen«, sagt Facharzt Tobias Freyer. Zudem ist ein großzügiger Zeitpuffer hilfreich.
Auch wenn es banal klingt: Wer sich in beengten oder stickigen Räumen ohnehin unwohl fühlt, sollte darauf achten, sich nicht zu warm anzuziehen und im Zweifelsfall etwa die Belüftungsdüse im Flugzeug oder im Auto voll aufzudrehen und aufs Gesicht zu richten.
Was aber, wenn sich bereits Druck aufgebaut hat? »Dann kann eine kleine Sporteinheit vor der Abfahrt helfen, das Adrenalin abzubauen, durch eine Joggingrunde beispielsweise«, empfiehlt Freyer. Das kann übrigens auch in angsterfüllten Momenten ein Sofortmittel sein. So kann es zum Beispiel helfen, wenn der Zug im Tunnel steht, zügig durch die Abteile zu marschieren. Damit gibt man einerseits dem Fluchtinstinkt ein wenig nach, andererseits kann der Körper so das Adrenalin besser abbauen. »Generell kann regelmäßiger Sport gut gegen Phobien helfen, denn regelmäßige Bewegung senkt dauerhaft den Stresshormon-Level«, so Freyer.
Da Klaustrophobie eng mit Kontrollverlust verbunden ist, kann es Psychologin Schiele zufolge kurzfristig ebenfalls erleichtern, sich an jene zu halten, die die Kontrolle haben, und beispielsweise den Blick auf Flugbegleiter, Schaffnerinnen oder Polizisten zu richten. Sie können nicht nur im Notfall helfen, sondern zeigen auch: Es gibt keinen Grund, sich aufzuregen, auch diese klaustrophobische Situation ist Alltag.