Ein Risikofaktor für Darmkrebs ist Übergewicht. / © Getty Images/Halfpoint Images
In Deutschland steigt aktuellen Daten zufolge die Zahl der Darmkrebsfälle bei jüngeren Menschen – aber weniger deutlich als in den USA. Betroffen ist vor allem die Gruppe der 20- bis 39-Jährigen und darunter die 20– bis 29-Jährigen, wie ein Forschungsteam im »International Journal of Cancer« berichtet. Ein Großteil des Anstiegs entfalle auf Formen mit vergleichsweise guter Prognose wie kleine oder weniger aggressive Tumore. Eine mögliche Senkung des Alters für das Darmkrebs-Screening – aktuell ab 50 Jahren – erscheine derzeit nicht gerechtfertigt.
Experten wie Thomas Seufferlein vom Universitätsklinikum Ulm, die selbst nicht an der Auswertung beteiligt waren, schließen sich dieser Einschätzung an. »Wir müssen allerdings die Daten im Blick behalten, um Screeningprogramme rechtzeitig anzupassen.« Auch Christian Pox vom St. Joseph-Stift Bremen hält eine Änderung derzeit für unnötig und warnt vor einer verringerten Effektivität des Programms bei gleichzeitig höheren Kosten. »Ein viel größerer Effekt könnte erreicht werden, wenn die Teilnahmerate an der gesetzlichen Krebsfrüherkennung bei den Berechtigten von 50 Jahren und älter gesteigert werden würde.«
Für die aktuelle Analyse wertete das Team um Voigtländer und Kajüter Krebsregisterdaten aus neun Bundesländern sowie dem Landkreis Münster – zusammen 46 Prozent der deutschen Bevölkerung – über den Zeitraum von 2003 bis 2023 aus. In der Altersgruppe von 20 bis 49 Jahren wurden kolorektale Karzinome bei 27.568 Menschen erfasst.
Die Zahl der Neudiagnosen von frühem kolorektalem Karzinom ohne sogenannten Appendixkrebs stieg demnach bei Männern um durchschnittlich 0,8 Prozent jährlich, bei Frauen um 0,9. Bei den 20- bis 29-Jährigen lagen die Werte bei 3,3 (Männer) und 3,9 Prozent (Frauen), bei den 30- bis 39-Jährigen bei 2,2 (Männer) sowie 2,0 Prozent (Frauen). Bei den 40- bis 49-Jährigen veränderte sich die Zahl der Neudiagnosen nicht merklich. Für Appendixkarzinome – Krebserkrankungen des Wurmfortsatzes am Blinddarm – stieg die Häufigkeit in allen Altersgruppen.