Es ist schon eine Crux: Für rund 30 Prozent der gebärfähigen Frauen gleicht der allmonatliche Zyklus einer Belastungsprobe. Dabei sind die genauen Ursachen des Syndroms noch nicht vollständig geklärt. Georgieff sprach von einem »multifaktoriellen Geschehen«, was sich auch in der Vielzahl der verschiedenen körperlichen und psychischen Symptome zeige. »Die Mehrheit der Hinweise deutet darauf hin, dass normale Hormonschwankungen im weiblichen Zyklus bei manchen Frauen stärkere Auswirkungen auf das Gehirn und das Nervensystem haben, besonders in der zweiten Zyklushälfte. Dafür spricht, dass bei einer Unterdrückung der Hormone etwa durch Ovulationshemmer die Symptome fast vollständig verschwinden.«
Viele Patientinnen fragten in ihrer Sprechstunde nach hormonfreien und gut verträglichen Behandlungsoptionen. Sie sieht in Mönchspfeffer ein gut etabliertes Phytopharmakon. »Nicht nur die klinische Wirksamkeit ist gut belegt, sondern auch molekulare Wirkmechanismen sind mittlerweile bekannt.« Untersuchungen zeigten, dass die hypophysäre Prolaktinausschüttung über einen dopaminergen Effekt gesenkt wird. Erhöhte Prolaktinspiegel sind mitverantwortlich für die zyklusabhängigen Beschwerden im Rahmen des PMS, da Prolaktin die Sekretion von GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) hemmt. Unter den Inhaltsstoffen sind es vermutlich Diterpene, die für die prolaktinsenkende Wirkung der Extrakte verantwortlich sind. Sie zeigen eine Affinität zum Dopaminrezeptor D2. »Deshalb ist bei Patientinnen mit Hyperprolaktinämie – nach entsprechender Abklärung eines Prolaktinoms – der Mönchspfeffer ebenfalls eine Option.«
Die Gynäkologin machte klar, dass es sich bei PMS-Beschwerden nicht nur um eine Befindlichkeitsstörung handelt. Dazu zitierte sie eine aktuelle Kohortenstudie mit 99.411 Patientinnen, deren Ergebnisse im Herbst in »Nature Cardiovascular Research« erschienen sind. Diese Untersuchung legte nahe, dass Frauen mit PMS im späteren Leben ein um 10 Prozent erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben. Besonders auffällig war das erhöhte Risiko für Herzrhythmusstörungen von 31 Prozent gegenüber der Allgemeinbevölkerung. Als besonders schwerwiegende Risikofaktoren identifizierten die Forschenden eine PMS-Diagnose vor dem 25. Lebensjahr sowie Frauen mit postpartalen Depressionen und PMS.