Bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt kann eine antibiotische Therapie indiziert sein. Ziel ist die Symptomfreiheit. / © Getty Images/Israel Sebastian
Internationale Leitlinien, darunter auch die deutsche S3-Leitlinie, nennen Nitrofurantoin, Fosfomycin und teilweise Pivmecillinam als Wirkstoffe der ersten Wahl – ohne Präfarenz eines bestimmten Antibiotikums. Bislang fehlten direkte Vergleichsdaten der drei Erstlinientherapeutika.
Vor diesem Hintergrund führte ein Team um Dr. Carl Llor vom Institute for Primary Health Care Research Jordi Gol i Gurina in Barcelona, Spanien, eine randomisierte, offene, multizentrische Phase-IV-Studie durch. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal »The Lancet« publiziert.
Eingeschlossen waren erwachsene Frauen mit unkomplizierter HWI, die entweder einmal 3 g Fosfomycin (n = 191), zweimal 3 g Fosfomycin im Abstand von 24 Stunden (n = 194), dreimal täglich 100 mg Nitrofurantoin für drei Tage (n = 190) oder dreimal täglich 400 mg Pivmecillinam für drei Tage (n = 193) erhielten. Primärer Endpunkt der Studie war Symptomfreiheit an Tag 7.
In Bezug auf die Wirksamkeit fanden die Forschenden folgendes Ranking:
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) traten unter Nitrofurantoin bei 26,8 Prozent, unter Pivemcillinam bei 21,2 Prozent, unter zwei Dosen Fosfomycin bei 26,3 Prozent und bei Fosfomycin-Einmalgabe bei 19,9 Prozent der Frauen auf. Die meisten Nebenwirkungen waren mild, selbstlimitierend und betrafen den Magen-Darm-Trakt. Schwerwiegende UAW gab es vier, davon eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) in der Pivmecillinam-Gruppe.
Das Autorenteam folgert aus diesen Ergebnissen, dass die Rolle von Fosfomycin als Antibiotikum der ersten Wahl bei HWI überdacht werden sollte, da die Einzeldosis dieses Wirkstoffs in der Untersuchung am wenigsten wirksam war. Bei insgesamt guter Verträglichkeit habe Nitrofurantoin am meisten überzeugt.