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Magen-Darm-Infektionen
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Norovirus sorgt für lästiges Sommerübel

Mit einer Reiseübelkeit ganz besonderer Art hatten im Juni mehr als 1000 Urlauber und Einheimische am Gardasee zu kämpfen: Sie hatten sich mit dem Norovirus infiziert. Wie bekommt man diese Gastroenteritis in den Griff und wann sind die Grenzen der Selbstmedikation erreicht?
AutorKontaktElke Wolf
Datum 08.08.2024  16:00 Uhr

Anfang Juli gab es in der Gemeinde Torri del Benaco am östlichen Ufer des Gardasees Entwarnung: Das Trinkwasser- und Badeverbot konnte wieder aufgehoben werden. Die Anordnungen wurden notwendig, weil sich zuvor mehr als tausend Urlauber und Einheimische mit dem Norovirus infiziert hatten. Mehrere Hundert mussten ihre gastrointestinalen Symptome im Krankenhaus behandeln lassen.

Die genaue Ursache des Infektionsausbruchs ist indes nicht geklärt. In italienischen Zeitungen wurde spekuliert, dass der Ausbruch mit dem sehr hohen Wasserstand des Gardasees nach heftigen Regenfällen zu tun haben könnte. Möglicherweise sei das Abwassersystem überlastet gewesen. Von offizieller Seite gab es dafür allerdings keine Bestätigung.

Das aktuelle Beispiel zeigt, wie hochansteckend eine Infektion mit dem Norovirus, dem Hauptauslöser von viral bedingten Magen-Darm-Infektionen, ist. Die Ansteckung erfolgt auf fäkal-oralem Weg, zum Teil auch auf Umwegen über kontaminierte Lebensmittel (Trinkwasser in Italien) und Oberflächen. Ungewöhnlich für einen Erreger einer Gastroenteritis ist die Möglichkeit der Übertragung der Virionen auf dem Luftweg über Aerosole. Erkrankte Personen geben die Krankheit über Hände, Erbrochenes und Kot noch bis zu zwei Wochen nach Abklingen der Beschwerden weiter. Während ein Erkrankter 100 Milliarden Virionen pro Gramm Stuhl ausscheidet, genügen für eine Infektion bereits weniger als 20.

Hochansteckend und umweltresistent

Um die Ansteckungsgefahr für Personen in der Umgebung zu minimieren, ist es am besten, den Kranken weitgehend zu isolieren. Da wegen der Vielzahl der ausgeschiedenen Erreger Händewaschen nur bedingt hilft, ist die sachgerechte Anwendung von Hände- und Flächendesinfektionsmitteln mit lipidlösenden Eigenschaften, zum Beispiel Isopropanol 70 Prozent, unerlässlich, und zwar nicht nur während der akuten Phase, sondern noch mindestens zwei Wochen darüber hinaus. Norovirionen – also Viruspartikel außerhalb einer Zelle – sind extrem temperaturbeständig, weshalb sie auf Oberflächen etwa vierzehn Tage überleben.

Etwa zwei Tage nach der Infektion machen sich die ersten gastrointestinalen Symptome bemerkbar: wässrige Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Kopf- und Muskelschmerzen, Erschöpftsein, Husten und leichtes Fieber können hinzukommen. Nach weiteren ein bis drei Tagen heilt die Erkrankung meist folgenlos aus. Sehr alte Menschen, Säuglinge und Kleinkinder sowie Patienten mit Immundefiziten können vor allem durch den Flüssigkeitsverlust einen schweren Krankheitsverlauf erleiden, der eine stationäre Aufnahme erforderlich macht. Unkontrolliertes Erbrechen, Tachykardien, Hypotonie, bestehen bleibende Hautfalten, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Delir oder auch fehlende Urinausscheidungen und Obstipation sind Zeichen einer Exsikkose und sollten stationär behandelt werden.

Da die Norovirus-Gastroenteritis in Deutschland meldepflichtig ist, liegen genauere Daten über die Altersverteilung der Patienten vor. Betroffen sind vor allem die Unter-5- und die Über-80-Jährigen. Das erklärt auch den Umstand, dass vor allem Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Altenheime Orte von Ausbrüchen sind.

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