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Berufsbedingte Ekzeme
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Prävention braucht viel Handarbeit

Häufig Kontakt zu Wasser, langes Tragen von Handschuhen, mechanische Beanspruchung: Dann ist die Barrierefunktion der Haut schnell am Limit. Die aktualisierte Leitlinie betont, wie wichtig geeignete Hautschutz- und Pflegepräparate sind, um Belastungen am Arbeitsplatz besser wegstecken zu können und Handekzemen vorzubeugen.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 02.04.2026  16:00 Uhr

Dermatosen – und dabei vor allem das chronische Handekzem – gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten. Verantwortlich für die Hautschäden seien vor allem häufiger Wasserkontakt und langes Tragen von flüssigkeitsdichten Handschuhen, aber auch Chemikalien, mechanische Beanspruchung und UV-Strahlung, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Insofern besteht beispielsweise im Friseurhandwerk, in Gesundheitsberufen, in der Metallverarbeitung, im Baugewerbe, bei Malern oder Reinigungskräften ein erhöhtes Risiko. Nach DDG-Angaben treten Handekzeme bei diesen Berufen mit einer Prävalenz von bis zu 40 Prozent auf.

»Betroffene leiden nicht nur an Schwellungen, Juckreiz und Schmerzen. Die hinzukommenden Rhagaden und die starke Verhornung der Haut beeinträchtigen unmittelbar die Berufsausübung«, erklärt Dr. Michal Gina, Leiter des Referats Berufsdermatologie am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Ruhr-Universität Bochum, das Ausmaß der Beschwerden. »Die regelmäßige Anwendung geeigneter Hautschutz- und Hautpflegemittel sowie eine schonende Hautreinigung können wesentlich dazu beitragen, dass die Haut die Belastungen am Arbeitsplatz besser toleriert, sich schneller regeneriert und Handekzeme verhindert werden«, betont Gina die Zielsetzung der aktualisierten S2k-Leitlinie »Berufliche Hautmittel«, deren Koordinator er ist, in einer begleitenden Pressemitteilung der DDG.

Damit sich aus rauen Händen keine ernsthaften Hautschäden entwickeln, ist die häufige Anwendung von lipidreichen Pflegecremes zu empfehlen. Regelmäßig aufgetragen, kann ihr Lipidanteil die ausgewaschenen Fette in der Hornschicht ersetzen. Beginnende Beeinträchtigungen der Barrierefunktion lassen sich dadurch ausgleichen. Als Lipidkomponente eignen sich Phospholipide, Ceramide oder Ceramid-Derivate, weil sie sich besonders gut in die Haut integrieren. Daneben sollte die Grundlage über wasserbindende Inhaltsstoffe verfügen. Substanzen, die den Natural Moisturizing Factor (NMF) nachahmen, wie Harnstoff, Glycerol oder Milchsäure, können die Restfeuchte an epidermalem Wasser in der Haut zurückhalten und erhöhen (zum Beispiel Dermasence® Adtop Plus, Eubos® Omega 12% Intensivcreme, La Roche Posay® Cicaplast Hände Haut-Barriere Creme, Olivenöl Mandelmilch Handpflegebalsam von medipharma cosmetics, Eucerin® AtopiControl Hand Intensiv-Creme, Bepanthol® Handbalsam).

Pflege nicht gleich Schutz

Cave: Urea fungiert auch als Penetrationsverstärker und kann deshalb die Aufnahme in die Haut verbessern. Die Leitlinie weist darauf hin, dass solche Zubereitungen unter Umständen aber auch den Transport von Schadstoffen in die Haut fördern könnten. Deshalb eignen sich solche Handbalsame nur zur rückfettenden Pflege nach beendeter Arbeit und in der Freizeit.

Hautschutzmittel dagegen werden vor hautbelastenden Tätigkeiten, nach der Händereinigung oder nach Pausen angewandt und sorgen dafür, dass Schmutz- und Schadstoffe nicht so tief in die Haut eindringen können. Dieser Unterschied ist vielen Kunden nicht bewusst.

Ob ein berufliches Hautschutzmittel (zum Beispiel Excipial® Protect, Linola® Hand Forte, Cavilon® 3M Langzeit Hautschutz Creme) seinen Effekt erfüllt, hänge weniger von einzelnen Inhaltsstoffen ab als vielmehr von der Gesamtformulierung, heißt es in der Leitlinie. »Die Wirksamkeit eines Hautschutzmittels kann weder aufgrund einer theoretischen Betrachtung des jeweiligen galenischen Systems noch des pH-Wertes beurteilt werden.«

Zudem müssten Salben oder Cremes individuell angenehm sein und entsprechend der Exposition ausgewählt werden. Auch das Einziehvermögen und die Kompatibilität mit den beruflichen Tätigkeiten sei zu beachten, also etwa die Herabsetzung der Griffigkeit und des Korrosionsschutzes eines Werkstücks in der Metallverarbeitung sowie Fingerabdrücke auf empfindlichen Werkstücken. Manchmal vertragen sich auch Inhaltsstoffe nicht mit flüssigkeitsdichten Handschuhen.

Lange galt der Grundsatz, dass zum Schutz gegen wassermischbare Noxen und Feuchtarbeit ausschließlich auf lipophile Formulierungen wie W/O-Emulsionen oder Oleogele zurückzugreifen sei – und umgekehrt bei Arbeitsstoffen, die nicht wassermischbar sind, auf hydrophile O/W-Emulsionen oder Suspensionssalben. Davon sei man abgekommen, zumal Tiermodelle belegten, dass einzelne Hautschutzprodukte zum Beispiel die Hautirritation durch Kühlschmiermittel oder Toluol sogar verstärken können.

Die Leitlinienautoren raten dazu, Auslobungen kritisch zu hinterfragen. Ein »flüssiger Handschuh« sei jedenfalls nicht nachzuvollziehen. Mit einer Fingertip Unit (FTU) pro Hand - gemessen von der Fingerspitze bis zur distalen Interdigitalfalte – lasse sich ausreichend Schutz erzielen.

Desinfizieren besser als waschen

Um beim Händewaschen die Haut nicht unnötig auszutrocknen – zu häufiges Händewaschen führt nachweislich zur Schädigung der Hautbarriere –, sollte man milde Reinigungssyndets oder ein Handwaschöl bevorzugen sowie lauwarmes Wasser verwenden. Ein leicht saurer pH-Wert vpn etwa 5,5 ist in jedem Fall zu bevorzugen. Wer bereits angegriffenen Hautpartien hat, sollte laut den Hautexperten die Hände nur zu waschen, wenn sie sichtbar verschmutzt sind.

Eine Handdesinfektion, auch mit alkoholhaltigen Mitteln, ist hautschonender. Alkohol löst nur die oberflächlichen Fette auf der Haut. Die Anwendung von antiseptischen Seifen lehnen die Leitlinienautoren ab. Zusätzlich enthaltene Substanzen wie Triclosan und Chlorhexidin wirkten leicht irritierend. Sie können die Händedesinfektion durch alkoholische Desinfektionsmittel nicht ersetzen.

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