| 13.10.2026 10:00 Uhr |
Die aktuellen Entwicklungen in Nordrhein werfen beim BVpta die Frage auf, ob PTA ihrer Qualifikation und Verantwortung entsprechend bezahlt werden. / © Getty Images/AndreyPopov
Zum Hintergrund: Der Gehaltstarifvertrag für die Apothekenbeschäftigten in Nordrhein ist zum 30. Juni 2026 ausgelaufen. Die Tarifverhandlungen sind bislang jedoch ohne Abschluss geblieben. Stattdessen hat die Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL) eine Empfehlung abgegeben:
Die Apothekengewerkschaft ADEXA lehnte das verwundert ab und wies darauf hin, dass bis zu einer neuen Vereinbarung die bisherigen Gehälter weiter gelten.
Anja Zierath, Bundesvorsitzende des BVpta, sagt dazu: »Als BVpta verfolgen wir diese Entwicklung mit großer Sorge. Denn hinter der Diskussion über 120 oder 200 Euro steht eine grundsätzliche Frage: Was ist uns qualifizierte pharmazeutische Arbeit wert?«
Eine PTA im ersten und zweiten Berufsjahr erhalte in Nordrhein derzeit 2590 Euro brutto bei einer 40-Stunden-Woche – das entspricht knapp 15 Euro pro Stunde. Zum 1. Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 14,60 Euro. Ohne eine entsprechende tarifliche Entwicklung läge eine ausgebildete PTA damit nur noch rund 37 Cent pro Stunde über dem Mindestlohn.
Man wolle keine Berufsgruppen gegeneinander ausspielen, betont Zierath ausdrücklich. PKA seien in Apotheken unverzichtbar und verdienten eine angemessene Vergütung. Ein gutes Gehaltsgefüge müsse jedoch unterschiedliche Qualifikationen, Tätigkeitsprofile und Verantwortungen erkennbar abbilden. »Ich selbst bin ausgebildete PKA und PTA und kenne den Wert beider Berufe sehr genau.«
Die Bundesvorsitzende des BVpta, Anja Zierath, ist selbst ausgebildete PTA und PKA. / © BVpta e. V.
Doch genau hier sieht der BVpta eine kritische Entwicklung, denn 2025 betrug der tarifliche Abstand zwischen PTA und PKA in der ersten Gehaltsstufe in Nordrhein 238 Euro. Seit Januar 2026 sind es 185 Euro, und nach dem aktuellen Vorschlag der TGL wären es nur noch 100 Euro. »Die Frage ist deshalb nicht, ob PKA zu viel verdienen. Die Frage ist, ob PTA ihrer Qualifikation und Verantwortung entsprechend bezahlt werden«, so Zierath.
Im übrigen ADA-Tarifgebiet liegt das Einstiegsgehalt für PTA im Jahr 2026 bei 2646 Euro – bei einer tariflichen Wochenarbeitszeit von 39 statt 40 Stunden. Somit liege Nordrhein sowohl beim Gehalt als auch bei der Arbeitszeit zurück.
Zierath: »Als BVpta haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gemacht, dass wir die wirtschaftlichen Sorgen der Apothekeninhaberinnen und -inhaber sehen. Wir haben eine angemessene Anpassung des Apothekenhonorars unterstützt und PTA dazu ermutigt, hinter ihren Apotheken zu stehen. Denn ohne wirtschaftlich tragfähige Apotheken gibt es keine sicheren Arbeitsplätze.«
Aus diesem Grund wünsche man sich nun einen öffentlichen Schulterschluss der Apothekerschaft mit ihren Beschäftigten. »Uns ist bewusst, dass eine Honorarverbesserung nicht eins zu eins in Personalkosten fließen kann und viele Betriebe weiterhin wirtschaftlich unter Druck stehen.« Doch ebenso wenig könne die wirtschaftliche Lücke auf dem Rücken der Beschäftigten geschlossen werden.
Nachdem die Apothekenteams, darunter auch die PTA, die schwierigen Jahre mitgetragen hätten, bräuchten nun gerade PTA das Signal: Wir sehen eure Qualifikation, wir sehen eure Verantwortung, und wir wollen, dass ihr in diesem Beruf bleibt.
Man könne nicht gleichzeitig über Fachkräftemangel klagen, PTA-Nachwuchs über zusätzliche Kompetenzen gewinnen wollen, über anspruchsvolle Weiterbildungen diskutieren – aber sich bei der Ausbildung und beim Berufseinstieg immer weiter dem gesetzlichen Mindestlohn annähern. Mehr Qualifikation und Verantwortung müssten sich auch finanziell bemerkbar machen.
An die PTA gerichtet, ruft der BVpta dazu auf, den Wert der PTA und ihrer Arbeit selbstbewusster zu vertreten. Wenn sich etwas verändern soll, müssten PTA als Berufsgruppe sichtbar und hörbar dafür eintreten. »Gute berufliche Perspektiven entstehen nicht von allein.«