RSV löst gerade bei Säuglingen unter sechs Monaten schwere Erkrankungen der unteren Atemwege aus. Mithilfe neuer Präventionsmöglichkeiten sollen Krankenhausaufenthalte und Todesfälle verhindert werden. / © Adobe Stock/Lavizzara
RSV ist weitverbreitet und hochansteckend. Oft löst das Virus milde Erkältungssymptome aus, aber auch schwere Atemwegserkrankungen wie Bronchiolitis und Lungenentzündung sind möglich. Besonders gefährdet sind junge Säuglinge bis zum Alter von etwa sechs Monaten und Frühgeborene, vor allem wenn sie Risikofaktoren wie Immunschwäche, angeborene Herzfehler oder eine gestörte Lungenentwicklung mitbringen. Die Babys erkranken in den Herbst- und Wintermonaten teils schwer, das RS-Virus ist in dem jungen Alter eine der Hauptursachen für Krankenhausaufenthalte. Auch älteren Menschen mit Vorerkrankungen und geschwächtem Immunsystem kann RSV gefährlich werden.
Zur Prävention von RSV-Erkrankungen stand mehr als zwei Jahrzehnte lang nur der monoklonale Antikörper Palivizumab (Synagis®) zur Verfügung. Zugelassen ist er allerdings nur für Hochrisikokinder, also etwa Frühgeborene und Kinder mit Herzfehlern. Außerdem muss der Antikörper während der RSV-Saison in monatlichen Abständen wiederholt verabreicht werden.
Der neuere Antikörper Nirsevimab (Beyfortus®), der 2023 Jahr auf den Markt kam, hat eine deutlich längere Halbwertszeit als Palivizumab und muss daher nur einmal vor der RSV-Saison gespritzt werden. Er induziert wie auch Palivizumab eine passive Immunisierung – das bedeutet, dass er im Unterschied zur aktiven Immunisierung durch Impfstoffe einen sofortigen Schutz bietet, der jedoch nur recht kurz anhält. Hat der Organismus die Antikörper nach einigen Monaten vollständig abgebaut, ist auch der Schutz weg.
Die STIKO hat den neuen Antikörper Ende Juni 2024 in ihre Empfehlungen aufgenommen: Demnach sollen alle Neugeborenen und Säuglinge eine Prophylaxe mit Nirsevimab zum Schutz vor schweren Atemwegsinfektionen durch RSV bekommen. So sollen vor allem RSV-bedingte Krankenhausaufenthalte und Todesfälle sowie stationäre und ambulante Versorgungsengpässe verhindert werden. Es war die erste Standardempfehlung der STIKO für eine Prävention mit einem monoklonalen Antikörper.
Wie sollen die Ärzte konkret vorgehen? Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, sollen Nirsevimab im Herbst von September bis November, also vor dem Beginn ihrer ersten RSV-Saison erhalten. Babys, die während der RSV-Saison, also üblicherweise von Oktober bis März, geboren werden, sollen Nirsevimab möglichst schnell nach der Geburt bekommen, idealerweise bei Entlassung aus der Geburtseinrichtung. Hierzu bietet sich laut STIKO die Vorsorgeuntersuchung U2 an, die am dritten bis zehnten Lebenstag durchgeführt wird. Eine versäumte Nirsevimab-Gabe sollte innerhalb der ersten RSV-Saison schnellstmöglich nachgeholt werden. Die RSV-Prophylaxe kann gleichzeitig mit oder in beliebigem Abstand zu den im Säuglingsalter von der STIKO empfohlenen anderen Standardimpfungen verabreicht werden.
Neben gesunden Neugeborenen und Säuglingen profitierten vor allem auch solche mit bekannten Risikofaktoren für eine schwere RSV-Infektion von den neuen Empfehlungen. Statt der bisher gängigen Immunisierung mit dem Antikörper Palivizumab, der fünfmal in der Saison gespritzt werden musste, reicht auch bei ihnen nun die einmalige Gabe von Nirsevimab.
Gut zu wissen: Nirsevimab ist auch zur Prävention von RSV-Erkrankungen bei Kindern bis zum Alter von 24 Monaten zugelassen, wenn für diese in ihrer zweiten RSV-Saison noch ein erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen besteht. Eine STIKO-Empfehlung gibt es dazu nicht. Die Kommission verweist aber auf die geltenden Empfehlungen in den Leitlinien der pädiatrischen Fachgesellschaften.
Synagis und Beyfortus sollten nicht parallel appliziert werden. Es ist jedoch möglich, nach Beginn der passiven Immunisierung mit Synagis, zum Beispiel aufgrund einer Nichtverfügbarkeit von Beyfortus, die Prophylaxe mit Beyfortus fortzusetzen, wenn dieses wieder verfügbar ist, erklärt das Robert-Koch-Institut. Das gilt allerdings nur, wenn die RSV-Saison voraussichtlich noch mehr als vier Wochen andauert. Weitere Informationen dazu finden sich in den Fachinformationen.
Mit Arexvy® und Abrysvo® kamen 2023 zwei »echte« RSV-Impfstoffe auf den deutschen Markt. Beide enthalten das RSV-Glykoprotein (PreF) in einer stabilisierten Form als Impfantigen. Dieses Oberflächenprotein braucht das Virus, um in die Körperzellen eindringen zu können. Es ist auch das Hauptangriffsziel des Immunsystems. Arexvy enthält außerdem den Wirkverstärker AS01E, der die Immunantwort auf das Impfantigen verstärken soll. Bei Abrysvo handelt es sich um einen bivalenten Impfstoff, der zu gleichen Teilen rekombinantes PreF der beiden Untergruppen A und B enthält.
Neben den proteinbasierten Impfstoffen steht der mRNA-basierte Impfstoff mResvia® für die aktive Immunisierung gegen RSV zur Verfügung. Es ist der erste mRNA-basierte Impfstoff nach dem Covid-Impfstoff, der von der EMA eine Zulassungsempfehlung bekommen hat. Auch der mRNA-Impfstoff basiert auf dem Antigen PreF. Er enthält einzelsträngige, mit einer Kappe versehene mRNA, die für PreF codiert. Wie bei den bekannten Coronaimpfstoffen auf mRNA-Basis enthält mResvia den Bauplan für das Impfantigen PreF, das in den Körperzellen gebildet wird und die Produktion von neutralisierenden Antikörpern und antigenspezifische zelluläre Immunantworten stimuliert.
Die STIKO empfiehlt Personen ab 75 Jahren eine einmalige RSV-Impfung mit einem der proteinbasierten Impfstoffe oder der mRNA-Impfung – möglichst vor Beginn der RSV-Saison. Die RSV-Impfung kann gleichzeitig mit der Influenza-Impfung gegeben werden.
Auch Personen ab 60 Jahren sollten sich impfen lassen, wenn sie in einer Pflegeeinrichtung leben oder von einer schweren Grunderkrankung betroffen sind. Dazu gehören laut STIKO unter anderem schwere Formen chronischer Erkrankungen der Atemwege, der Nieren und des Herzkreislaufsystems, chronische neurologische, neuromuskuläre oder hämato-onkologische Erkrankungen, schwere Immundefizienz sowie Diabetes mellitus (mit Komplikationen).
Abrysvo ist zusätzlich zur maternalen Immunisierung, also zur Impfung in der Schwangerschaft zwischen Woche 24 und 36, zugelassen. Dadurch können nach dem Nestschutz-Prinzip die gebildeten Antikörper gegen RSV noch vor der Geburt von der Mutter auf das Kind übergehen und es somit direkt nach der Geburt schützen – ein Konzept, das bereits bei Keuchhusten (Pertussis) und Influenza angewandt wird.
Ist eine Schwangere gegen RSV geimpft worden, brauchen gesunde Neugeborene in der Regel keine Nirsevimab-Gabe. Anders sieht es aus, wenn bei einem Säugling bekannte Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf vorliegen oder die Impfung der Mutter weniger als zwei Wochen vor der Geburt durchgeführt wurde. Dann wird laut Robert-Koch-Institut eine zusätzliche Prophylaxe mit Beyfortus empfohlen.
Aus Sicht der STIKO liegt aktuell für den Einsatz von Abrysvo in der Schwangerschaft zu wenig Evidenz vor, um eine klare Empfehlung für die Impfung auszusprechen. In der Sicherheitsevaluation sei außerdem ein Ungleichgewicht beim Auftreten von Frühgeburten zwischen der impfstofferhaltenden und nicht-erhaltenden Gruppe aufgetreten. Die Studienpopulation war aber zu klein, um das sicher zu beurteilen, weitere Untersuchungen hierzu sind nötig.
Aktualisiert am 27.01.2026
Coronaviren lösten bereits 2002 eine Pandemie aus: SARS. Ende 2019 ist in der ostchinesischen Millionenstadt Wuhan eine weitere Variante aufgetreten: SARS-CoV-2, der Auslöser der neuen Lungenerkrankung Covid-19. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronaviren.