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Hintergrund und Therapie
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Schlafprobleme im Alter – was tun

Schlaf verändert sich mit dem Alter – bemerkbar vor allem zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Die Schlafdauer reduziert sich mitunter, Tiefschlafphasen nehmen ab. Wie man Schlafstörungen entgegenwirken kann, erklärte Professor Frohnhofen, leitender Arzt in der Altersmedizin der Klinik für Orthopädie und Unfallmedizin in der Uniklinik Düsseldorf, bei einem Webinar der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 18.08.2023  11:30 Uhr

Behandlung braucht Geduld

Die Therapie erfordert vor allem eines – Geduld. Basis ist immer eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT-I). Diese besteht zusammenfassend aus »Entspannungsmethoden, Psychoedukation, Methoden der Schlaf-Wach-Strukturierung wie Stimuluskontrolle und Schlafrestriktion sowie kognitiven Techniken zur Reduktion nächtlichen Grübelns und zur Veränderung dysfunktionaler Überzeugungen« (vgl. S3-Leitlinie »Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen« 2017, aktuell in Überarbeitung).

Eine gute Schlafhygiene sei empfehlenswert, reiche aber allein nicht aus, um eine manifeste Schlafstörung zu behandeln, so Frohnhofen. Zur Schlafhygiene zählen Maßnahmen wie

  • ein persönliches Einschlafritual zu schaffen,
  • die Schlafumgebung angenehm zu gestalten,
  • Alkohol zu vermeiden ,
  • nach dem Mittagessen auf Koffein zu verzichten,
  • sich vor dem Zubettgehen nicht mehr geistig und körperlich zu verausgaben,
  • auf regelmäßige Bewegung zu achten und
  • die Uhr oder den Wecker in der Nacht außer Sichtweite zu stellen.

Einen Schritt weiter geht die Stimuluskontrolle, die laut Frohnhofen »sehr wirksam« ist. Diese beinhaltet unter anderem, nur bei Schläfrigkeit zu Bett zu gehen, das Bett nur zum Schlafen zu benutzen (sexuelle Aktivität ausgenommen), das Bett nach 15 bis 30 Minuten Wachliegen zu verlassen, am Morgen zu einer festen Zeit aufzustehen und tagsüber nicht zu schlafen. Erste Effekte träten allerdings erst nach zwei bis drei Wochen auf, so der Mediziner. Eine weitere Maßnahme ist die Schlafrestriktion, die für geriatrische Patienten jedoch zu belastend sein könne. 

Hypnotika nur kurzfristig

Stark wirksame Hypnotika wie Benzodiazepine sollten Patienten »nur kurzfristig und intermittierend« erhalten, betonte Frohnhofen. Ihre Einnahme ist laut Zulassung auf maximal vier Wochen beschränkt. Am besten sei es, den Zeitraum direkt mit dem Patienten abzustecken. Zu bedenken sei, dass die Langzeiteinnahme von Benzodiazepinen mit einer Übersterblichkeit und einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert ist.

Nicht ganz unkritisch bedachte er die Tatsache, dass Doxylamin und Diphenhydramin ohne Rezept erhältlich sind. Bei älteren Patienten können diese aufgrund ihrer anticholinergen Nebenwirkungen zu Problemen führen. H1-Antihistaminika sind bei Schlafstörungen nur für einen kurzfristigen Einsatz gedacht, in der Selbstmedikation sind es maximal zwei Wochen.

Pflanzliche Sedativa punkten Frohnhofen zufolge vor allem durch die von den Patienten selbst wahrgenommenen Effekte. Ihre vollständige Wirkung tritt oft erst nach Wochen regelmäßiger Einnahme ein. Studien zufolge kann auch eine akustische Stimulation (Frequenz 1 Hz) oder ein in dieser Frequenz schwingendes Bett den Schlaf verbessern. Eine einfache umzusetzende Maßnahme ist außerdem Wärme: Beim Zubettgehen sollte der Körper, vor allem die Hände und Füße, warm sein (Wannen- oder Fußbad, Socken tragen).

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