PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Hörgeräte unbedingt nutzen
-
Schwerhörigkeit kann Demenz und Depressionen auslösen

Weltweit leben 1,5 Milliarden Menschen mit einem Hörverlust. Von den 10 Millionen Menschen in Deutschland, die nach eigenen Angaben unter einer Schwerhörigkeit leiden, sind fast sechs Millionen signifikant beeinträchtigt. Nur wenige – etwa 30 Prozent der Betroffenen – unternehmen etwas dagegen. Lediglich zwei Millionen tragen Hörgeräte.
AutorKontaktChristiane Berg
Datum 03.03.2021  16:00 Uhr

Müdigkeit und Erschöpfung

Die ständige Anstrengung, die Umgebung trotz eingeschränkten Hörvermögens wahrnehmen zu müssen, gehe vielfach mit erhöhter Müdigkeit und Erschöpfung durch körperlichen und mentalen Stress einher. Insbesondere das Richtungshören erfordere große Konzentration. Bei schnellem Sprecherwechsel oder gar zusätzlichem Umgebungslärm sei es oft kaum möglich, einer Unterhaltung zu folgen.

Betroffene fühlen sich den alltäglichen Situationen nicht mehr gewachsen. Sie verlieren die Lust an Dingen, die ihnen bislang Freude bereitet haben, und reagieren mit sozialem Rückzug. Ein Teufelskreis: Die geistigen Fähigkeiten laufen Gefahr, jetzt noch schneller nachzulassen. Das hat auch die »Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde«, anlässlich vergangener »Welttage des Hörens« deutlich gemacht.

Erhöhte Sturzgefahr und Reizbarkeit

Nicht nur das: Menschen, die unter einem Hörverlust leiden, neigen verstärkt auch zu Verletzungen und Stürzen. US-amerikanischen Studien zufolge erhöht bereits eine Hörminderung ab 25 Dezibel die Gefahr zu fallen um fast das Dreifache. Eine nicht ausgeglichene Hörminderung hebt das Risiko, im Alter auf Hilfe bei der Bewältigung des Alltags durch Invalidität angewiesen zu sein, um 28 Prozent.

Neben den großen Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit birgt die mangelnde Versorgung einer Schwerhörigkeit auch ein hohes soziales Konfliktpotenzial: Die Betroffenen sind oft reizbar. Da Familie und Freunde häufig nicht die Ursache erkennen, reagieren sie nicht selten mit Ungeduld, Schärfe und Aggressivität. Umso bedeutender sei es, dass auch das Umfeld aufgeklärt wird und Angehörige oder nahestehende Menschen ermutigt, den Schritt zum HNO-Arzt oder Hörakustiker zu machen beziehungsweise individuell angepasste Hörsysteme konsequent zu tragen.

Von Anfangsschwierigkeiten nicht abschrecken lassen

Ganz wichtig: Betroffene sollten sich nicht abschrecken lassen, wenn die Umgebung mit den neuen Hörsystemen zunächst oft unangenehm schrill, laut und blechern klingt. In Folge der Entwöhnung durch die Hörminderung haben wichtige Schaltstellen im Gehirn ihre Arbeit niedergelegt. Der Hör-Sinn ist im wahrsten Sinne des Wortes »verkümmert«.


Die gute Nachricht: Die verantwortlichen Hirnareale und Synapsen sind dynamisch und anpassungswillig, sprich: bereit, ihre Funktion wieder aufzunehmen. Durch die unbeirrte Nutzung von Hörsystemen und die letztlich adäquate Wahrnehmung von Geräuschen, Tönen, Lauten, Klängen, Worten und Nuancen werden die für das Hören und somit auch für die geistige Fitness erforderlichen neuronalen Verknüpfungen im Gehirn wieder aufgebaut und reaktiviert.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa