Pflegende Angehörige stehen oft unter enormem Druck. / © Getty Images/zeljkosantrac
Fast fünf Millionen Menschen in Deutschland werden zu Hause gepflegt – vom Ehemann, von der Schwester, von der Tochter. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes. Oft läuft das nicht einfach »nebenbei«, sondern ist eine Aufgabe, die viel Kraft kostet. Damit ihnen die nicht ausgeht, müssen pflegende Angehörige gut auf sich selbst achten. Fünf Fragen und Antworten.
So gern man die Pflege auch übernimmt, so selbstverständlich sie einem auch erscheint: Es ist ein Fulltime-Job. Durch die ständige Bereitschaft stehen pflegende Angehörige oft unter einem dauerhaften emotionalen und auch körperlichen Druck.
»Sie tragen Verantwortung, müssen Entscheidungen treffen und erleben gleichzeitig Ohnmacht, wenn es der pflegebedürftigen Person schlechter geht«, sagt Julia Scharnhorst, die den Fachbereich Gesundheitspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen leitet. »Häufig kommen Erschöpfung, soziale Isolation und das Gefühl hinzu, selbst zu kurz zu kommen.«
Diesen Zwiespalt erleben Pflegende in mehreren Lebensbereichen: »Der dauernde Widerspruch zwischen Pflege, eigener Familie und dem Hauptjob lässt sich meist nicht zufriedenstellend auflösen«, sagt die Psychologin. Besonders belastend dabei: Die Pflege hat meist kein klar absehbares Ende. Das kann dann auch zu chronischem Stress führen, der sich im schlimmsten Fall in körperlichen und psychischen Gesundheitsproblemen äußert.
Dazu kommt der Umgang mit schwierigen Emotionen: »Oftmals gilt es, Gefühle wie Schmerz und Mitleid, Hilflosigkeit, Ärger, Wut und Trauer auszuhalten«, sagt Daniela Sulmann. Sie ist die Geschäftsleiterin in der gemeinnützigen Fachstiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Wie stark sich pflegende Angehörige belastet fühlen, hängt jedoch von der individuellen Situation ab.
Eine Überlastung kann auf verschiedene Arten zum Ausdruck kommen. »Zum einen können körperliche Symptome Anzeichen für Überlastung sein«, sagt Daniela Sulmann. Dazu zählen etwa:
»Gerade, wenn man selbst merkt, dass man gegenüber der pflegebedürftigen Person Aggressionen empfindet, ist es höchste Zeit, mehr auf Abstand zu gehen und für sich selbst zu sorgen«, sagt Julia Scharnhorst. Das Gleiche gelte für Gleichgültigkeit oder das Gefühl, nur noch funktionieren zu müssen. »Wer merkt, dass er kaum noch Freude empfindet oder sich selbst keine Pausen mehr erlaubt, sollte aufmerksam werden«, sagt die Psychologin.