»Wichtig ist, dass pflegende Angehörige ihre eigene Gesundheit als Teil der Pflegeaufgabe verstehen«, sagt Julia Scharnhorst. Dafür empfiehlt sie kleine Erholungsinseln im Alltag – etwa einen Spaziergang, Atemübungen oder den Austausch mit Freunden.
Darüber hinaus ist es wichtig, sich zeitliche Grenzen zu setzen, nach dem Motto: Wie viel Stunden Pflege kann ich leisten? »Ist diese Grenze erreicht, heißt es nicht einfach immer mehr zu tun, sondern Unterstützung zu suchen«, sagt Julia Scharnhorst. Entlastung bei der Pflege bieten nicht nur andere Angehörige, sondern auch Pflegedienste oder Hilfsmittel. Am besten nimmt man Kontakt zu einer Pflegeberatung auf, um herauszufinden: Was kann den Pflegealltag erleichtern?
Und was unterstützt die Seele? Psychische Entlastung bieten etwa Familienberatungsstellen, Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise für pflegende Angehörige. »Außerdem können Sie bei der Krankenkasse nach Kursen zur Entspannung und zum Stressmanagement fragen«, sagt Daniela Sulmann. »Wichtig ist, von vornherein Unterstützungsangebote zu nutzen, konsequent Auszeiten zu nehmen und auf Anzeichen für Überlastung frühzeitig zu reagieren«, fasst die Pflegeexpertin zusammen.
Womöglich hilft folgender Gedanke: »Selbstfürsorge ist keine Egozentrik, sondern eine Voraussetzung, um langfristig gut pflegen zu können«, sagt Julia Scharnhorst. Dennoch sind Schuldgefühle weit verbreitet. Viele denken, sie müssten immer da, immer verfügbar sein. Doch: Sich Pausen zu gönnen und so die Seele zu schützen, komme auch der pflegebedürftigen Person zugute. »Ein hilfreicher Gedanke lautet: Ich tue das nicht nur für mich, sondern auch für den Menschen, den ich pflege«, sagt Julia Scharnhorst.
Auch Daniela Sulmann rät dazu, sich die doppelte Notwendigkeit der Selbstfürsorge bewusst zu machen: »Das transformiert das Schuldgefühl in Verantwortung für sich und den pflegebedürftigen Angehörigen.« Hilfreich ist es auch, die Arbeit und Verantwortung zu teilen, sodass die Last nicht auf einem Paar Schultern liegt. »Manchmal ist den Pflegebedürftigen besser damit gedient, wenn professionelle Hilfe einbezogen wird«, so Scharnhorst.