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Schlamm, Körnchen, Kiesel
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So geht Ernährung bei Gallensteinen

Ab der Lebensmitte ist jeder Fünfte von Steinen in Gallenblase oder -gängen betroffen. Nur ein Viertel davon hat Beschwerden – Steine sind oft blinde Passagiere oder werden zufällig bei einer Sonografie entdeckt. Welches Ernährungsverhalten unterstützt Vorbeugung und Behandlung?
AutorKontaktCornelia Höhn
Datum 26.06.2026  16:00 Uhr

Die Gallenblase liegt im rechten Oberbauch. Ihre Aufgabe ist es, zwischen den Mahlzeiten eingedickten Gallensaft zu speichern, der rund um die Uhr in der benachbarten Leber produziert wird.

Sobald beim Essen Fett verdaut werden muss, zieht sich die Gallenblase zusammen, an der Mündung des Gallenganges zum Zwölffingerdarm öffnet sich ein Schließmuskel und der Gallensaft wird in den Zwölffingerdarm abgegeben. Dort emulgiert er Nahrungsfette und ermöglicht sowohl Fettverdauung als auch Aufnahme fettlöslicher Vitamine.

Die Gallenflüssigkeit setzt sich aus Wasser, Cholesterin, Phospholipiden, Gallensäure und Bilirubin zusammen. Kommt deren Verhältnis aus dem Gleichgewicht, können sich Kristalle ablagern, vor allem dann, wenn Gallensaft länger in der Gallenblase steht oder diese in ihrer Kontraktionsfähigkeit eingeschränkt ist und sich nicht mehr vollständig entleert.

Unwohl, Kolik, Entzündung

Aus Kristallablagerungen bildet sich zunächst Gallenschlamm (Sludge) und im weiteren Verlauf sandkorn- und linsen- bis zu golfballgroße Steine. Da die Mehrzahl der Betroffenen über viele Jahre beschwerdefrei bleibt, gilt: Abwarten und Beobachten für kleine asymptomatische und zufällig im Ultraschall entdeckte Steine in der Gallenblase. Dort verursachen nämlich meist nur solche größer als drei Zentimeter Probleme.

Dann treten Druckgefühl im rechten Oberbauch, Völlegefühl, Aufstoßen, Übelkeit oder Blähungen auf - zumeist nach fetthaltigem Essen, wenn sich die Gallenblase stärker als gewohnt zusammenziehen muss, um mehr Gallensaft freizusetzen. Oder es kommt nach dem Verzehr üppiger Mahlzeiten zu einer Gallenkolik mit heftigsten Schmerzen. Wenn ein Stein den Gallenfluss behindert, arbeitet die Muskulatur der Gallenwege dagegen an, um Saft und Stein weiter zu befördern.

Sofern Letzterer den Ausgang der Gallenblase vollständig versperrt, führt der Rückstau zu einer akuten Gallenblasenentzündung; die Gallenblase droht zu platzen. Unbehandelt kann es zur Sepsis kommen. Zudem erhöhen unbemerkte Steine dieser Größenordnung das Risiko einer Tumorentwicklung in der Gallenblase. Gallenblasensteine, die nur einige Millimeter messen, können hingegen auf natürlichem Wege in den Hauptgallengang wandern und im besten Falle mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Fast immer behandlungsbedürftig aber ist es, wenn sich Steine in die Gänge verirren, dort weiter vergrößern und eingeklemmt werden. Neben starken Bauchschmerzen, Fieber und Schüttelfrost kann es durch solche Gallengangssteine etwa zu einem Gallenstau kommen mit Leberentzündung und Symptomen wie Gelbfärbung von Haut und Augen oder Juckreiz.

Und wird die gemeinsame Einmündung von Galle und Bauchspeicheldrüse vom Stein blockiert, besteht die Gefahr einer Pankreatitis mit gürtelförmigen Schmerzen im gesamten Oberbauch und Rücken.

Die 6-F-Risiko-Regel

Das Zusammenspiel mehrerer Risikofaktoren erhöht die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Gallensteinen – auch bekannt als sogenannte 6-F-Regel:

  • Fat: Übergewicht, Adipositas und fettreiche Ernährung kurbeln die Cholesterinproduktion in der Leber an. Der Körper versucht dann, überflüssiges Cholesterin über die Gallenflüssigkeit abzutransportieren.
  • Forty: Die Wahrscheinlichkeit für Gallensteine steigt mit dem Alter ab 40 bis 50 Jahren an.
  • Female: Frauen bilden etwa zwei-bis dreimal so häufig Gallensteine. Es wird angenommen, dass körpereigenes Estradiol, Pilleneinnahme oder Hormonersatztherapie eine Rolle spielen.
  • Fertile: Schwangere und Frauen mit mehreren Kindern haben ein höheres Risiko für Cholesterinsteine – vermutlich, weil in der Schwangerschaft viel Estrogen gebildet und dazu vermehrt Cholesterin benötigt wird.
  • Family: Jeder vierte Betroffene hat eine genetische Veranlagung.
  • Fair: Personen mit hellem Haar- und Hauttyp sollen eine höhere Disposition haben.

Weitere mögliche Risikofaktoren sind unter anderem Hyperlipidämie, Diabetes, Leberzirrhose, Morbus Crohn, Gallensäureverlustsyndrom (Mangel an Gallensäuren, zum Beispiel infolge operativer Entfernung großer Dünndarmteile), aber auch Arzneistoffe wie GLP-1-Analoga und Fibrate. Auch Crash-Diäten und eine operative Magenverkleinerung können Gallensteine begünstigen.

Interessant für die Beratung: Bei der Abgabe von Codein und anderen Morphinderivaten gilt es, Kunden nach einer zurückliegenden Gallen-OP zu befragen. Laut Fachinformationen sind diese Arzneistoffe nach Gallenblasenentfernung nur mit besonderer Vorsicht einzusetzen: Sie können zu Spasmen des Schließmuskels am Einmündungsgang von Galle und Bauchspeicheldrüse führen, mit Aufstau von Gallen- und Pankreassekret. Es kann zu herzinfarktähnlichen Oberbauchbeschwerden und Pankreatitis kommen.

Ernährung anpassen

Laut S3-Leitlinie scheint regelmäßige körperliche Aktivität und eine bedarfsgerechte Ernährung zur Erhaltung eines normalen Körpergewichts der Entwicklung von Cholesteringallenblasensteinen vorbeugen zu können. Kalorienreiches, ballaststoffarmes Essen, Übergewicht/Adipositas sowie Bewegungsmangel sind etablierte Risikofaktoren für diese Steinart.

Adipöse Menschen entwickeln häufiger Gallensteine, weil sie mehr Cholesterin in die Gallenblase sezernieren als Personen mit Normalgewicht. Bei Übergewicht nimmt zudem die Motilität der Gallenblase ab und ist deutlich eingeschränkt.

So ist es nicht verwunderlich, dass eine faserreiche, fett- und zuckerarme Kost als die Ernährungsweise der Wahl für Gallenstein-Träger gilt. Überdies ist Normalgewicht anzustreben. Nahrungsfasern aus Vollkorngetreide, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten binden Gallensäuren. Auch die tägliche Einnahme von Flohsamenschalen mit reichlich Flüssigkeit ist empfehlenswert. Das Apothekenteam kann diesbezüglich wertvolle Tipps geben.

Steinprotektive Wirkung?

Untersuchungen bestätigen, dass eine ballaststoff- und calciumreiche Ernährung der Entstehung von Gallensludge entgegenwirken kann. Auch magnesiumreiche Lebensmittel brachten positive Effekte. Ob dagegen Kaffeekonsum vor Gallensteinen schützt, wird kontrovers gesehen.

Zudem sprechen Beobachtungen für eine protektive Wirkung von ein- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie in Oliven-, Raps- und Leinöl enthalten, sowie möglicherweise auch Nüssen. Die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Transfetten ist hingegen mit einem erhöhten Risiko für Gallensteine assoziiert. Der Konsum von fettem Fleisch, Wurst, Käse, Butter und Kokosfett sowie fetthaltigem Gebäck, Fertigprodukten oder Frittiertem sollte daher eingeschränkt werden.

Ganz auf Fett zu verzichten, ist jedoch keine gute Idee: Gallensaft, der nicht gebraucht wird, bleibt in der Gallenblase stehen und dickt ein, was Gallensteine begünstigt. Auch durch Zuckerkonsum steigt das Gallensteinrisiko an: Werden viele Mono- und Disaccharide verzehrt, so wird vermehrt Insulin ausgeschüttet, das die Cholesterinbildung in der Leber anheizen kann.

Bei der Gewichtsabnahme ist ein langsames Vorgehen – weniger als anderthalb Kilo pro Woche – anzuraten, denn schnelle Gewichtsänderungen stören die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit. Auch gut zu wissen: Beim Fasten nimmt zudem die Eigenbewegung der Gallenblase ab; es wird weniger und seltener Gallensaft entleert. Gleiches gilt auch für nächtliche Nüchternperioden länger als zwölf Stunden – ein Plädoyer für das Frühstück.

Auch trotz voll funktionsfähiger Gallenblase können manchmal Steine entstehen: Studien zeigen, dass durch die Einnahme von Ursodeoxycholsäure das Steinrisiko unter Reduktionsdiät wie auch nach Magen-Bypass-Operation verringert wird. Eine Zulassung für diese Indikation hat der Wirkstoff jedoch nicht. Von diesen beiden Ausnahmen abgesehen, wird eine medikamentöse Prophylaxe von Gallensteinen nicht empfohlen. Eine schwache Evidenz gibt es aber für einen steinpräventiven Effekt von Statinen.

Auch Nahrungsergänzungsmittel können möglicherweise vorbeugend wirken. Laut einer deutschen Beobachtungsstudie wirkte sich eine höhere Vitamin-C-Zufuhr positiv aus und die Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren konnte die Kontraktionsfähigkeit der Gallenblase bei Patienten mit Hypertriglyceridämie verbessern.

Pflanzliche Mittel, die die Gallenproduktion fördern sowie die Funktion von Leber und Galle unterstützen, vermögen Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen zu lindern, aber keine Steine aufzulösen. Dazu gehören zum Beispiel Pfefferminz, Löwenzahn, Wermut, Mariendistel, Schafgarbe, Artischocke und Curcuma.

»Steinprotektiv« nennt die Leitlinie körperliche Aktivität. Danach bringt täglich mindestens eine halbe Stunde Bewegung die Galle ausreichend in Schwung. Das hilft überdies bei der Gewichtsreduktion.

Operieren oder abwarten?

Haben Gallensteine biliäre Schmerzen ausgelöst, raten verschiedene europäische Leitlinien zu einer operativen, meist minimal invasiven Entfernung der Gallenblase. Zu bedenken: Eine groß angelegte Studie vor einigen Jahren ergeben, dass bei symptomatischen Gallensteinen mit unkomplizierten Koliken eine abwartende Haltung eine gleichwertige Alternative zur Operation sein könnte.

Eine Auflösung mit Ursodeoxycholsäure soll leitliniengemäß nur in Ausnahmefällen bei kleinen Cholesterinsteinen und funktionstüchtiger Gallenblase durchgeführt werden – nach Aufklärung des Patienten zur hohen Rezidivrate. Das früher praktizierte Stoßwellenverfahren zur Zertrümmerung von Gallenblasensteinen ist obsolet, da entstandene Bruchstücke im Gallengang feststecken können und die Ursache nicht dauerhaft behoben wird. 

Auch wenn die Gallenblase herausgenommen wurde, können in den Gallengängen weiterhin Steine entstehen, die dann endoskopisch entfernt werden. Gut zu wissen: Für die Verdauung ist die Gallenblase entbehrlich, da sie nur Speicherorgan für den Gallensaft ist. Der Gallengang übernimmt deren Funktion und weitet sich dabei etwas auf.

Essen nach der Operation

Nach Entfernung der Gallenblase können Operierte weitgehend normal essen, dennoch kann vor allem Fetthaltiges individuell schlechter vertragen werden und häufiger zu Durchfällen führen.

Damit die Verdauung reibungslos funktioniert, unterstützen folgende Ernährungsinterventionen zeitlebens:

  • Größere Fettbelastungen vermeiden.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten sind bekömmlicher.
  • Fettarme Garmethoden wie Kochen, Dünsten, Dampfgaren, Römertopf nutzen.
  • Anstatt Butter besser Lein-, Oliven- und Rapsöl verwenden.
  • Ausreichend Ballaststoffe essen.
  • Leicht verdauliche Gemüse- und Obstsorten wählen.
  • Fettarme Fleisch- und Fischsorten schonend zubereiten.
  • Haferflocken, feingemahlene Brotsorten, Nudeln, Pell- oder Salzkartoffeln essen.
  • Magerquark, fettarme Milchprodukte, milden Käse, Kefir und Buttermilch bevorzugen.
  • Rührei und weiches Ei verzehren.
  • Blähende Lebensmittel, Alkohol, Nikotin rmeiden.
  • Zucker, gesättigte und Transfette, hartgekochte Eier weglassen.
  • Mild würzen und Speisen mit Kräutern abschmecken.
  • Stilles Mineralwasser, schwarzen und grünen Tee sowie Kaffee in Maßen trinken.
  • Langsam essen, bewusst kauen
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