| Daniela Hüttemann |
| 15.10.2026 16:00 Uhr |
War das die definitiv letzte Zigarette? Das Apothekenteam hilft dabei. / © Getty Images/nensuria
Schaut man sich entsprechende Beratungsleistungen in anderen Ländern sowie in einem Leitfaden des Weltapothekerverbands an, wird es sich erst einmal um ein relativ kurzes Motivationsgespräch handeln. Die genauen Details der Leistung wie Umfang, Anspruchsberechtigung und Honorierung handeln derzeit der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband aus. Dann wird die pDL erstattungsfähig für GKV-Versicherte. Damit ist frühestens Anfang des kommenden Jahres zu rechnen.
In jedem Fall sei es vorteilhaft, wenn das Apothekenteam Raucher aktiv anspreche, eine potenzielle Bereitschaft zum Rauchstopp auslotet und konkrete Hilfe anbiete, meinte Ina Richling, Apothekerin aus Dortmund, beim gemeinsamen Fortbildungskongress der Apothekerkammern Niedersachsen und Westfalen-Lippe Ende September auf Langeoog.
»Fast 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland rauchen, jährlich werden bundesweit sechs Millionen Menschen aufgrund von tabakassoziierten Erkrankungen ärztlich behandelt, 125.000 Menschen sterben daran«, schilderte Richling.
Das Aufhören fällt den meisten jedoch sehr schwer. Die Rückfallrate liege bei 80 Prozent in den ersten Wochen. Deshalb braucht es Unterstützung – und einen Plan. Anlass für ein Rauchstopp-Gespräch und vice versa können auch andere pDL wie die Blutdruckmessung, die Polymedikationsanalyse, die Inhalativa-Schulung oder in Zukunft der Herz-Kreislauf-Präventionscheck sein.
Laut Richling zeigen Studien, dass ein konkretes Stopp-Datum mit komplettem Aufhören besser funktioniert als eine langsame Reduktion. Der sogenannte Fagerström-Test hilft, den Grad der Abhängigkeit zu bestimmen. Das könnten auch Apotheken schnell erfassen. Dann gilt: »Wenig Beratung hilft schon viel!«, so die Apothekerin. Eine Kurzintervention könnte nach dem 5A-Modell erfolgen: Ask, Advise, Assess, Assist, Arrange.
Im 5A-Modell wird zunächst der Rauchstatus abgefragt (Ask). Es folgt das Anraten des Rauchverzichts (Advice). Im dritten Schritt stellt man fest, wie groß die Bereitschaft des Patienten ist (Assess). Im vierten Schritt (Assist) bietet man konkrete Hilfe an. Hier sei auch eine ergänzende individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) denkbar, findet Richling, zum Beispiel eine konkrete Beratung zu den verschiedenen Nikotinersatzprodukten oder auch evidenzbasierte Verhaltenstipps. Schritt 5 (Arrange) betrifft das Ausmachen eines Follow-up-Termins.
»Nutzen Sie keine Sätze, die zur Konfrontation führen, sondern zeigen Sie Empathie und Verständnis und lassen Sie den Patienten selbst entscheiden«, betonte die Referentin. Manchmal helfen wertneutrale Fragen wie »Was spricht für Sie und was gegen das Rauchen?«. Die stärksten Motivatoren sind individuell.
Vor dem Stopp hilft eine Strichliste, um sich die konsumierte Menge vor Augen zu führen und womöglich schon vor dem Tag X zu reduzieren. Wer dann noch ausrechnet, wie viel Geld er spart, hat einen zusätzlichen Anreiz. Vielleicht fürchtet der Aufhörwillige auch eine Gewichtszunahme. Dann können Ernährungstipps hilfreich sein.
Bei starker Abhängigkeit kann das Apothekenteam darauf hinweisen, dass mittlerweile Nikotinersatzprodukte und Vareniclin zur Entwöhnung erstattungsfähig sind. Sie müssen dafür allerdings ärztlich verordnet werden. Gleiches gilt für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) wie »Nichtraucherhelden« und »Smoke Free App«.