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Chemotherapie
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Spezielles Training kann Nervenschäden verhindern

Eine Chemotherapie löst nicht selten Nervenschäden aus. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen verschwinden die belastenden Symptome nach Ende der Therapie wieder, bei den anderen jedoch bleiben sie. Ein aktuelles Studienergebnis macht nun Hoffnung, dass ein spezifisches, aber verhältnismäßig einfaches Training ausreichen könnte, um die belastenden Nebenwirkungen zu verhindern. 
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 08.07.2024  15:30 Uhr
Spezielles Training kann Nervenschäden verhindern

Wenn aufgrund einer zytostatischen Krebsbehandlung Beschwerden wie Schmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Taubheitsgefühle, Brennen oder Kribbeln auftreten, sprechen Experten von einer Chemotherapie-induzierten peripheren Neuropathie (CIPN). Bei manchen Therapien sind 70 bis 90 Prozent der Behandelten betroffen, bei knapp 50 Prozent davon bleiben die Symptome auch nach Ende der Therapie bestehen. Eine CIPN wird meist als sehr belastend empfunden und kann Änderungen der Krebstherapie erfordern, was unter Umständen eine verringerte Überlebenschance bedeutet.

Einer im Fachjournal »Jama Internal Medicine« veröffentlichten Studie zufolge soll es jedoch möglich sein, Nervenschäden vorzubeugen oder abzumildern – und das auf einfach umsetzbare Weise, mittels eines spezifischen Trainings.

Herausgefunden haben das Forschende der Universität Basel, Regensburg, Witten/Herdecke und der Deutschen Sporthochschule Köln anhand von 158 Krebspatienten, die eine Therapie mit Oxaliplatin oder Vinca-Alkaloiden erhielten und per Zufallsprinzip drei Gruppen zugeteilt wurden: Eine absolvierte zweimal pro Woche 15 bis 30 Minuten Gleichgewichtsübungen auf zunehmend instabilem Untergrund, eine weitere trainierte im gleichen zeitlichen Umfang auf einer Vibrationsplatte. Die dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe und erhielt die Standardbetreuung ohne Training.

Bei den regelmäßigen Untersuchungen in den darauffolgenden fünf Jahren hat sich laut Studie gezeigt, dass die Teilnehmenden der Kontrollgruppe etwa doppelt so häufig eine CIPN entwickelten wie die der Trainingsgruppen. Das Training habe das Auftreten von Nervenschäden um 50 bis 70 Prozent verringert. Die Verbesserungen seien bei der Gleichgewichtskontrolle, dem Tastsinn, der Unterschenkelstärke, den Schmerzen, der Vibrationsempfindlichkeit und dem Brennen festgestellt worden. Auch habe es die subjektiv empfundene Lebensqualität verbessert, ungünstige Reduktionen der Krebsmedikamentendosis verhindert und die Sterblichkeit bis zu fünf Jahre nach der Chemotherapie verringert. Als besonders wirksam habe sich dabei das sensomotorische Gleichgewichtstraining auf instabilem Untergrund erwiesen.

»Das Potenzial körperlicher Aktivität wird enorm unterschätzt.«
Dr. Fiona Streckmann, Sportwissenschaftlerin, Universität Basel
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