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Neueinführungen
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Trio zum Märzbeginn

Am 1. März sind drei Medikamente mit neuen Wirkstoffen in den deutschen Handel gekommen. Darunter befinden sich zwei Antikörper und ein Antisense-Oligonukleotid.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 03.03.2026  12:00 Uhr
Neuer Antikörper bei endokriner Orbitopathie

Neuer Antikörper bei endokriner Orbitopathie

Die endokrine Orbitopathie ist eine entzündliche Erkrankung der Augenhöhle, die Augenmuskeln, Bindegewebe und Fettgewebe betrifft. Flüssigkeitseinlagerungen, Schwellungen und Gewebewucherungen verdrängen den Augapfel zunehmend aus der Augenhöhle. Auch andere Symptome wie Trockenheit, Druck- und Fremdkörpergefühl im Auge, Augenschmerzen und Doppelbilder können auftreten. Eine endokrine Orbitopathie ist bei sehr vielen Patienten mit Morbus Basedow nachweisbar. Sie kann aber zum Beispiel auch im Zuge einer Hashimoto-Thyreoiditis auftreten.

Der neue Antikörper Teprotumumab (Tepezza® Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Amgen) hemmt den Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor-1-Rezeptor (IGF-1R). Durch die Blockade kann Teprotumumab den Exophthalmus, also das Hervortreten des Augapfels aus der Augenhöhle, reduzieren, indem Entzündungen verringert und sowohl der Umbau von Muskel- und Fettgewebe als auch die Ausdehnung des Gewebes hinter dem Auge verhindert werden. Zugelassen ist das neue Medikament zur Behandlung einer mittelschweren bis schweren endokrinen Orbitopathie bei Erwachsenen.

Die empfohlene Dosis des Antikörpers beträgt 10 mg/kg Körpergewicht für die Initialdosis, gefolgt von sieben weiteren Dosen mit 20 mg/kg Körpergewicht, die im Abstand von jeweils drei Wochen als intravenöse Infusion angewendet werden. Bei Patienten, bei denen während der ersten zwei Infusionen sofortige Überempfindlichkeitsreaktionen oder Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion aufgetreten sind, wird empfohlen, eine Prämedikation mit einem Antihistaminikum, einem Antipyretikum und/oder einem Glucocorticoid anzuwenden. Zudem sollten alle Folgeinfusionen mit einer geringeren Infusionsgeschwindigkeit erfolgen. Sehr häufig beobachtete Nebenwirkungen sind Muskelkrämpfe, Durchfall, Alopezie, Hyperglykämie, Ermüdung, Übelkeit und Kopfschmerz.

In der Fachinformation finden sich mehrere gesonderte Warnhinweise. So heißt es zum Beispiel, dass Teprotumumab eine schwere Hörstörung hervorrufen kann, einschließlich Hörverlust, der in Einzelfällen von Dauer sein kann. Patienten ist anzuraten, bei Symptomen eines veränderten Hörvermögens unverzüglich einen Arzt aufzusuchen. Das Hörvermögen ist vor, während und nach der Behandlung mit Teprotumumab zu beurteilen. Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung von ototoxischen Mitteln wie Aminoglykosiden, Vancomycin, platinhaltigen Chemotherapeutika und Schleifendiuretika.

Ein anderer Hinweis widmet sich dem Blutzucker. Patienten müssen vor der Infusion im Hinblick auf erhöhte Glucosewerte und Symptome einer Hyperglykämie untersucht sowie während der Behandlung mit Teprotumumab überwacht werden. Patienten mit Hyperglykämie oder vorbestehendem Diabetes müssen vor Beginn und während der Behandlung unter angemessener glykämischer Kontrolle stehen. Die Überwachung der Glucosewerte im Blut wird für einen Zeitraum von sechs Monaten nach Abschluss der Behandlung empfohlen.

Last, but not least, kann der neue Antikörper auch eine Exazerbation einer vorbestehenden entzündlichen Darmerkrankung hervorrufen. Patienten mit einer entzündlichen Darmerkrankung sind im Hinblick auf einen Erkrankungsschub zu überwachen, heißt es in der Fachinformation.

In der Schwangerschaft ist Tepezza kontraindiziert. Aus Vorsichtsgründen sollte der Antikörper auch bei Stillenden vermieden werden. Frauen im gebärfähigen Alter müssen vor Beginn der Anwendung, währenddessen und für mindestens sechs Monate nach der letzten Infusion eine effektive Verhütungsmethode anwenden.

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