| Sven Siebenand |
| 03.03.2026 12:00 Uhr |
Mit Retifanlimab (Zynyz® Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Incyte) ist ein weiterer Vertreter aus der Klasse der Checkpoint-Hemmer für die Behandlung des Merkelzellkarzinoms verfügbar. Das Merkelzellkarzinom ist ein seltener Krebs. Es handelt sich dabei um einen meist rötlich-violetten, kugel- oder seltener auch plaqueförmigen Tumor auf der Hautoberfläche. Die Mehrzahl der Tumoren tritt vornehmlich im Bereich lichtexponierter Areale der Gesichtshaut oder der Extremitäten auf.
Anders als der Antikörper Avelumab, der an den PD-1-Liganden (PD-L1) bindet, dockt Retifanlimab an den PD-1-Rezeptor an. Dadurch wird die Interaktion des Rezeptors mit seinen Liganden PD-L1 und PD-L2 blockiert, was die T-Zell-Antwort in der Mikroumgebung des Tumors ankurbelt.
Retifanlimab ist indiziert als Monotherapie für die Erstlinienbehandlung erwachsener Patienten mit metastasiertem oder rezidivierendem, lokal fortgeschrittenem Merkelzellkarzinom, die für eine kurative Operation oder Strahlentherapie nicht geeignet sind. Eine nächste Indikation des Antikörpers hat übrigens bereits eine positive Stellungnahme vom Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) erhalten: In Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel (platinbasierte Chemotherapie) darf Retifanlimab auch beim fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinom des Analkanals zum Einsatz kommen, wenn die EU-Kommission das finale Go gibt.
Zurück zum Merkelzellkarzinom: Zynyz wird einmal alle vier Wochen intravenös infundiert. Die empfohlene Dosis sind 500 mg. Die Behandlung sollte maximal zwei Jahre lang oder so lange fortgesetzt werden, bis sich die Krebserkrankung verschlimmert. Der Arzt kann die Behandlung unterbrechen, wenn bestimmte Nebenwirkungen auftreten, oder die Behandlung gänzlich beenden, wenn die Nebenwirkungen schwerwiegend sind.
Sehr häufig treten unter Retifanlimab Müdigkeit, Arthralgie, Pruritus, Durchfall, Ausschlag, Anämie, Obstipation, Fieber, Übelkeit und verminderter Appetit auf. Wie bei anderen Checkpoint-Inhibitoren sind auch immunbedingte Nebenwirkungen, etwa immunbedingte Hepatitis, Pneumonitis oder Colitis, möglich.
Frauen im gebärfähigen Alter sollte geraten werden, während der Behandlung und mindestens bis zu vier Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anzuwenden. Die Anwendung bei Schwangeren und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen.
Zum Stillen heißt es in der Fachinformation: Es ist bekannt, dass menschliche IgG-Antikörper in den ersten Tagen nach der Geburt in die Muttermilch übergehen werden, wobei die Konzentration bald auf niedrige Werte abfällt. Daher kann ein Risiko für den gestillten Säugling während dieses kurzen Zeitraums nicht ausgeschlossen werden. Für diesen begrenzten Zeitraum muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Retifanlimab verzichtet werden soll. Danach könnte der Antikörper während der Stillzeit eingesetzt werden, wenn dies klinisch erforderlich ist.