| Caroline Wendt |
| 08.10.2026 08:00 Uhr |
Starke, anfallsartige Bauchschmerzen können ein ernst zu nehmendes Warnsignal sein. / © Getty Images/fizkes
Bei Beschwerden im Oberbauch denken viele zunächst an den Magen. Oft trifft das auch zu, denn fettreiche oder üppige Mahlzeiten führen nicht selten zu Völlegefühl, Druck oder Schmerzen. Diese Beschwerden treten klassischerweise nach einer üppigen Mahlzeit auf, sind meist zeitlich begrenzt und lassen sich oftmals durch eine Anpassung der Ernährung in den Griff bekommen. Zudem sind die Schmerzen häufig mittig oder leicht links im Oberbauch lokalisiert.
Schmerzen rechts im Oberbauch können von der Leber beziehungsweise ihrer schmerzempfindlichen Kapsel ausgehen. Das Lebergewebe selbst besitzt nur wenige Schmerzrezeptoren, weshalb viele Lebererkrankungen lange ohne typische Beschwerden bleiben. Schwillt die Leber jedoch an, kann sie die sie umgebende Bindegewebskapsel dehnen. Dadurch können Druck- oder Spannungsschmerzen im rechten Oberbauch beziehungsweise unter dem rechten Rippenbogen entstehen. Daneben können unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit und Leistungsabfall auftreten. Bestimmte Lebererkrankungen machen sich außerdem mit einer Gelbsucht (Ikterus) bemerkbar.
Die Ursachen von Lebererkrankungen sind vielfältig. Die häufigste Lebererkrankung in Deutschland ist eine sogenannte Fettleber, auch Steatotische Lebererkrankung (SLD) genannt. Laut der Deutschen Leberstiftung sind etwa ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung betroffen, besonders häufig Menschen zwischen 55 und 75 Jahren. Zu den Risikofaktoren für eine SLD zählen insbesondere Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Typ-2-Diabetes beziehungsweise dessen Vorläufer – Faktoren, die häufig im Rahmen eines metabolischen Syndroms gemeinsam auftreten.
Auch regelmäßiger oder hoher Alkoholkonsum schädigt die Leber. Eine Fettleber kann sich in den meisten Fällen durch Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung, mehr Bewegung sowie bei alkoholbedingter Leberkrankung durch Alkoholverzicht zurückbilden. Schreitet die Erkrankung voran, kann sich das Lebergewebe entzünden.
Das Endstadium vieler Lebererkrankungen ist eine Zirrhose. Hierbei wird gesundes Lebergewebe zunehmend durch Bindegewebe ersetzt. Bei einer fortgeschrittenen Zirrhose kann die Leber ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen und Gift- und Abbauprodukte können sich im Körper anreichern.
Die Leber produziert zudem die Gallenflüssigkeit, welche über die Lebergallengänge in die Gallenblase gelangt. Diese speichert die Flüssigkeit und dickt sie ein. Die Gallenblase sitzt direkt an der Unterseite der Leber, etwa auf der Höhe des neunten Rippenbogens. Von dort kann die Gallenflüssigkeit dann über den Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm gelangen, wo sie die Nahrungsfette emulgiert und damit deren Verdauung unterstützt. Zudem werden bestimmte Stoffwechselprodukte, darunter Bilirubin, über die Galle ausgeschieden.
Klagen Patienten über Schmerzen im rechten Oberbauch, kann auch eine Erkrankung der Gallenblase oder der Gallenwege dahinterstecken. Die häufigste Ursache sind Gallensteine. Sie entstehen aus Bestandteilen der eingedickten Gallenflüssigkeit, meist überwiegend aus Cholesterin. In der Regel bilden sie sich in der Gallenblase. Von dort können sie in die Gallengänge wandern.
In vielen Fällen bleiben Gallensteine symptomlos. Treten Beschwerden auf, haben Betroffene typischerweise starke, anfallsartige Schmerzen im Oberbauch. Die sogenannten Gallenkoliken kommen in Wellen, dauern meist mindestens 30 Minuten und klingen häufig innerhalb weniger Stunden wieder ab. Die Schmerzen können in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen. Daneben sind Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl und Blähungen möglich. Blockiert ein Stein den Gallenabfluss, kann es zu einer Gelbsucht kommen. Außerdem können sich Gallenblase oder Gallenwege entzünden.
Ganz in der Nähe von Leber und Galle sitzt noch ein weiteres Organ: die Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Ihr endokriner Teil produziert Hormone wie Insulin und Glukagon und gibt sie ins Blut ab. Der exokrine Teil bildet den Pankreassaft mit Verdauungsenzymen sowie Bicarbonat zur Neutralisierung der Magensäure. Der Pankreasgang mündet in den Zwölffingerdarm, meist gemeinsam mit dem Hauptgallengang.
Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) entsteht meist durch ein Gallensteinleiden oder hohen Alkoholkonsum. Es können Verdauungsenzyme freigesetzt werden, die das Gewebe schädigen. Typisch sind plötzlich einsetzende, sehr starke Oberbauchschmerzen, die gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlen können. Häufig kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu. Eine akute Pankreatitis wird in der Regel stationär im Krankenhaus behandelt, da insbesondere schwere Verläufe lebensbedrohlich sein können.
Eine chronische Pankreatitis entwickelt sich dagegen meist schleichend und ist häufig eine Folge von chronischem Alkoholabusus. Auch Rauchen, genetische Faktoren oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüse können eine Rolle spielen. Im weiteren Verlauf kann es zu Gewichtsverlust kommen und es fallen Fettstühle auf. Auch die Insulinproduktion kann beeinträchtigt werden, was zu Diabetes mellitus führen kann. Eine langjährige chronische Pankreatitis kann zudem das Risiko für Pankreaskarzinome erhöhen.
Unklare Oberbauchschmerzen sollten daher ärztlich abgeklärt werden, insbesondere dann, wenn ungewollter Gewichtsverlust oder eine Gelbsucht beobachtet werden.