Die versteckten Kosten psychischer Erkrankungen finden sich nämlich oft auch auf emotionaler und sozialer Ebene. Psychische Krankheiten sind nach wie vor häufig mit Scham, Schuldgefühlen oder Stigmatisierung verbunden. Viele Betroffene ziehen sich zurück. Wer zudem ständig grübelt und sich in Gedankenkreisläufen verliert, kann sich häufig schlechter organisieren oder schiebt Aufgaben auf. So wird teils auch Alltägliches zur Herausforderung.
Mitunter entgehen einem Glücksmomente. Ein Beispiel: Zwar nimmt man sich vor, etwas Angenehmes zu unternehmen, verschiebt das aber ständig oder hat keine Kraft, sich aufzuraffen. »Das Problem ist, dass das oft mit dem Charakter verbunden wird und Außenstehende meinen, die Person sei faul«, sagt der Arbeitspsychologe Sebastian Jakobi. »Das denkt derjenige dann manchmal auch von sich selbst.«
Andere Kosten wiederum entstehen nicht nur indirekt, sondern ganz konkret: durch Impulskäufe oder Suchtverhalten, Mahngebühren wegen verpasster Fristen oder Umzugskosten infolge häufiger Jobwechsel. Die berufliche Entwicklung kann ins Stocken geraten. Manche bleiben im Job unter ihren Möglichkeiten, weil sie sich aus sozialer Angst nicht trauen, nach einer Beförderung zu fragen oder ihre Leistungen sichtbar zu machen. Hinzu kommen Stress, Schwierigkeiten im Team, fehlende Anerkennung und verpasste Chancen.
Die meisten psychischen Erkrankungen sind gut behandelbar. Ein erster Schritt kann darin liegen, zu erkennen, dass eine Behandlung notwendig ist. Reine Selbsthilfe sei meist nicht zielführend, meint Maaß. Ideal sei professionelle Hilfe in Form von Therapie oder Beratung. Daneben ist auch Selbstakzeptanz wichtig: Fehler sind menschlich, Vorwürfe helfen nicht weiter.
Im Alltag können zudem zeitliche Puffer entlasten, die bewusst zur Erholung eingeplant werden. Auch feste Strukturen, etwa ein Stundenplan mit Pausen, helfen dabei, sichtbar zu machen, wofür Zeit aufgewendet wird.
Geht es um finanzielle Kosten, ist Planung entscheidend. Daueraufträge oder Einzugsermächtigungen können helfen, Fristen einzuhalten, rät Jakobi. Voraussetzung dafür sei allerdings ein finanzieller Puffer. »Den muss man sich natürlich erst aufbauen«, sagt der Arbeitspsychologe.
Personen, die vor allem nachts grübeln, empfiehlt Jakobi ein Notizbuch neben dem Bett. Die Idee dahinter: Gedanken, die man – auch stichwortartig – aufschreibt, sind aus dem Kopf. »Wenn man wach ist, kann man daran weiterarbeiten und falls die Gedanken wieder aufkommen, sieht man, dass meistens nichts Neues dazukommt«, sagt Jakobi. Außerdem ist Jakobi zufolge Achtsamkeitstraining ratsam, das oft von Krankenkassen bezuschusst wird.