| Katja Egermeier |
| 20.01.2026 10:00 Uhr |
Beide teilnehmenden Länder zeigten zudem eine deutliche Skepsis gegenüber den im Anschluss bewerteten nationalen Richtlinien. Sie seien »übertrieben« oder »nicht realistisch«. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Teilnehmenden die Empfehlungen mit dem eigenen Trinkverhalten abglichen – mit dem Ergebnis, dass die Richtlinien von ihnen einerseits nicht eingehalten werden, das andererseits aber auch nicht als riskant wahrgenommen wurde.
Für Studienleiter Joel Crawford ist dies ein Hinweis, dass sich die individuelle Risikowahrnehmung nur schwer mit zahlenbasierten Empfehlungen in Einklang bringen lässt. Ausschlaggebend seien vielmehr persönliche Erfahrungen und das eigene Körpergefühl. Die offiziell empfohlenen Grenzwerte hätten daher für viele kaum persönliche Relevanz.
Hinzu kommt, dass die Befragten den Begriff »Risiko« wohl nur mit der Gefahr einer Alkoholabhängigkeit in Verbindung brachten, nicht mit dem eigentlichen Ziel der Grenzwerte: gesundheitliche Risiken insgesamt zu reduzieren, darunter auch Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bestimmte Krebsarten.
Die Schlussfolgerungen des Forschungsteams: Anstatt in erster Linie Zahlen und Mengen zu nennen, sollte bei der Warnung vor riskantem Alkoholkonsum mehr auf die persönlichen Lebensrealitäten der Menschen eingegangen werden – etwa daran, wie Alkohol Stimmung, Wohlbefinden und zwischenmenschliche Beziehungen beeinflusst.