| Katja Egermeier |
| 20.01.2026 10:00 Uhr |
Abends ein Gläschen Wein zum Entspannen – ist das riskanter Alkoholkonsum oder noch im Rahmen? / © Getty Images/SimpleImages
Um die persönliche Wahrnehmung von riskantem Trinken zu erfassen, bat das Team um Studienleiter Joel Crawford zunächst 308 Erwachsene aus Schweden und dem Vereinigten Königreich, den Begriff »riskanter Alkoholkonsum« in eigenen Worten zu definieren. Anschließend wurden den Teilnehmenden die offiziellen Richtlinien ihres jeweiligen Landes vorgestellt. Danach sollten sie einschätzen, wie relevant diese Empfehlungen für sie persönlich seien.
| Bewertung der DGE | Alkoholmenge |
|---|---|
| ideal | null Alkohol – Vollverzicht |
| risikoarm |
1 bis 2 kleine Gläser (< 27 g Alkohol pro Woche) entspricht: 1-2 kleine Flaschen Bier (5 % vol) oder 1-2 kleine Gläser Wein (12 % vol) oder 2-4 Gläser Spirituosen (0,02 l, 38 % vol) |
| moderates Risiko |
mehr als 2 bis 6 kleine Gläser pro Woche (27–81 g Alkohol) entspricht: bis 6 kleine Flaschen Bier (5 % vol) oder bis 5 kleine Gläser Wein (12 % vol) oder bis 6 Gläser Spirituosen (0,02 l, 38 % vol) |
| hohes Risiko |
mehr als 6 kleine Gläser pro Woche, (> 81 g Alkohol) entspricht: mehr als 6 kleine Flaschen Bier (5 % vol) oder mehr als 5 kleine Gläser Wein (12 % vol) oder mehr als 6 Gläser Spirituosen (0,02 l, 38 % vol) |
| generell gilt |
Auch bei niedrigem Konsum besteht ein Gesundheitsrisiko. Es gibt keine sichere Alkoholmenge für einen unbedenklichen Konsum. Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sollten ganz verzichten. |
Die Ergebnisse zeigen eine ausgesprochen vielschichtige Wahrnehmung von riskantem Alkoholkonsum. Nur wenige Befragte orientierten sich an konkreten Mengenangaben. Wichtiger waren für sie die Art des Getränks, der soziale Kontext, der Zweck des Trinkens sowie die wahrgenommenen Auswirkungen auf Stimmung und Kognition.
So stuften manche bereits den regelmäßigen Konsum hochprozentiger Getränke als riskant ein, andere hingegen erst den täglichen Alkoholkonsum oder die Unfähigkeit, das eigene Trinkverhalten zu kontrollieren. Auch extreme Trunkenheit bis hin zu Gedächtnisverlust galt als gefährlich. Als riskant wurde zudem das Trinken zu nicht freizeitlichen Zwecken bewertet – etwa um negative Gefühle zu dämpfen, einschlafen zu können, zur Ruhe zu kommen oder Schmerzen zu lindern.
Nannten die Befragten konkrete Mengenangaben, lagen diese meist deutlich über den offiziellen Empfehlungen. In Schweden gelten beispielsweise mehr als neun Standardgläser pro Woche als riskant. Einige Teilnehmende sprachen jedoch erst ab über zwanzig Einheiten pro Woche oder zehn Einheiten pro Tag von problematischem Konsum.
Beide teilnehmenden Länder zeigten zudem eine deutliche Skepsis gegenüber den im Anschluss bewerteten nationalen Richtlinien. Sie seien »übertrieben« oder »nicht realistisch«. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Teilnehmenden die Empfehlungen mit dem eigenen Trinkverhalten abglichen – mit dem Ergebnis, dass die Richtlinien von ihnen einerseits nicht eingehalten werden, das andererseits aber auch nicht als riskant wahrgenommen wurde.
Für Studienleiter Joel Crawford ist dies ein Hinweis, dass sich die individuelle Risikowahrnehmung nur schwer mit zahlenbasierten Empfehlungen in Einklang bringen lässt. Ausschlaggebend seien vielmehr persönliche Erfahrungen und das eigene Körpergefühl. Die offiziell empfohlenen Grenzwerte hätten daher für viele kaum persönliche Relevanz.
Hinzu kommt, dass die Befragten den Begriff »Risiko« wohl nur mit der Gefahr einer Alkoholabhängigkeit in Verbindung brachten, nicht mit dem eigentlichen Ziel der Grenzwerte: gesundheitliche Risiken insgesamt zu reduzieren, darunter auch Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bestimmte Krebsarten.
Die Schlussfolgerungen des Forschungsteams: Anstatt in erster Linie Zahlen und Mengen zu nennen, sollte bei der Warnung vor riskantem Alkoholkonsum mehr auf die persönlichen Lebensrealitäten der Menschen eingegangen werden – etwa daran, wie Alkohol Stimmung, Wohlbefinden und zwischenmenschliche Beziehungen beeinflusst.