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Arzneimittelabhängigkeit
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Vom Schmerz in die Sucht

Da eine Sucht bei ärztlich verordneten Substanzen nicht so offensichtlich ist, spricht man auch von einer »stillen Sucht«. Was das für Folgen hat und wie Fachpersonal am besten reagiert, erklärte Professor Dr. Oliver Pogarell, stellvertretender Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, beim diesjährigen Deutschen Schmerz- und Palliativtag.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 22.03.2024  12:00 Uhr

Opioidkrise nicht zu erwarten

Häufig sind chronische Schmerzen und Sucht miteinander vergesellschaftet. Opioide sind hochwirksame Medikamente, die Schmerzen effektiv lindern. Dennoch bringen sie ein gewisses Abhängigkeitsrisiko mit sich. Pogarell zufolge besonders bei Schmerzen, die nicht klassisch Opioid-responsiv sind. Einer Studie zufolge liegt das Risiko bei Patienten mit chronischen Schmerzen, die nicht tumorbedingt sind, bei bis zu 50 Prozent, während es bei Patienten mit Tumorschmerzen unter 8 Prozent liegt. Risikofaktoren, die eine Abhängigkeit begünstigen, sind unter anderem eine positive Sucht- und/oder Familienanamnese, psychische Komorbiditäten und Compliance-Probleme.

Eine Opioid-Krise wie in den USA ist dem Suchtexperten zufolge in Deutschland nicht zu erwarten, auch wenn die Verordnungszahlen zulasten der GKV leicht ansteigen. »Deutschland gilt als ein Opioid-unterversorgtes Land in der Summe.« Dennoch gelte es, aufmerksam zu bleiben. Zu beachten sei außerdem, dass Privatverordnungen in den Statistiken meist nicht erfasst sind.

Was tun zur Prävention?

»Wichtig ist: früh erkennen, früh behandeln und Risikokonstellationen kennen«, so Pogarell. »Wir Ärztinnen und Ärzte müssen unser Verordnungsverhalten immer wieder überprüfen und die Patientinnen und Patienten regelmäßig einbestellen, um den Gebrauch zu kontrollieren – sinnvollerweise zusammen mit Apothekerinnen und Apothekern.«

Aufmerksamkeit brauche es, wenn Patienten zur Verschreibung bestimmter Medikamente drängen, nach längerer Einnahme psychotroper Medikamente von Absetzproblemen berichten, oder von Dauerkopfschmerzen nach dauerhafter Einnahme von Schmerzmitteln (Cave: nicht-opioide Analgetika). In der Apotheke kommt es außerdem vor, dass Patienten das betreffende Arzneimittel häufig und/oder in hohen Mengen nachfragen oder versuchen, mit Tricks an das Präparat zu kommen, zum Beispiel: Rezept verloren, Akutfall oder angebliche Reklamation wegen Minderbefüllung oder fehlender Wirksamkeit – bis hin zu Rezeptfälschungen. Auch wenn Privatrezepte von mehreren Ärzte vorgelegt werden, kann dies auf einen problematischen Gebrauch hinweisen.

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