| Caroline Wendt |
| 10.02.2026 08:00 Uhr |
Einige Körperkompartimente sind für Antibiotika nur schwer zu erreichen. Dazu zählen beispielsweise schlecht durchblutete oder durch Barrieren geschützte Gewebe wie Knochen, Herzklappen oder der Liquor des zentralen Nervensystems (ZNS). Auch bei Abszessen können aufgrund des niedrigen pH-Werts und der eingeschränkten Durchblutung Antibiotika an ihre Grenzen stoßen. Gut erreichbar sind dagegen in der Regel die Lunge, Bindegewebe, Muskulatur und gut durchblutete Organe.
| Gewebe/Infektionsort | Antibiotika (Beispiele) |
|---|---|
| Lunge | Aminopenicilline (mit oder ohne β-Laktamase-Inhibitor), Cephalosporine (vor allem 2. und 3. Generation), Fluorchinolone, Makrolide |
| Unkomplizierte Harnwegsinfekte (HWI) | Fosfomycin, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam, Trimethoprim |
| Nierenbeckenentzündungen | Ciprofloxacin, Levofloxacin, Cefpodoximproxetil |
| Zahn und Zahnhalteapparat | Van-Winkelhoff-Cocktail: Amoxicillin 500 mg plus Metronidazol 400 mg, Clindamycin |
| ZNS/Liquor | Ceftriaxon, Cefotaxim, Ampicillin, Vancomycin mit Meropenem oder Ceftazidim |
Bei ambulant erworbenen Lungenentzündungen (Pneumonie) richtet sich die Wahl des Antibiotikums nicht nur nach dem Erreger, sondern auch nach der Schwere der Erkrankung. Während in leichten Fällen die Infektionen häufig durch Streptococcus pneumoniae verursacht werden, können in schwereren Verlaufsformen auch Enterobakterien, Pseudomonas aeruginosa oder atypische Erreger die Verursacher sein.
Als Mittel der Wahl gilt bei leichten Pneumonien Amoxicillin. Bei Penicillinunverträglichkeit können Moxifloxacin oder Levofloxacin zum Einsatz kommen. Bei komorbiden Patienten (zum Beispiel chronische Herzinsuffizienz oder eine ZNS-Erkrankung) oder einem schweren Verlauf der Lungenentzündung, sind beispielsweise Kombinationstherapien oder parenterale Antibiotika (zum Beispiel Cephalosporine der 2. und 3. Generation) indiziert.
Infektionen der ableitenden Harnwege werden meist durch Escherichia coli verursacht (E. coli). Hier ist zudem entscheidend, dass das Antibiotikum ausreichend renal eliminiert wird. Gemäß Leitlinie gelten Fosfomycin, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam und Trimethoprim als Mittel der Wahl. Die Fluorchinolone Ciprofloxacin, Levofloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin wirken ebenfalls gut gegen E. coli, werden jedoch aufgrund von Resistenzbildung und potenzieller schwerer Nebenwirkungen (zum Beispiel Sehnen- und Bindegewebsschäden) nicht mehr in erster Linie empfohlen. Bei Nierenbeckenentzündungen sind Ciprofloxacin, Levofloxacin und Cefpodoximproxetil die Mittel der Wahl.