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Antibiotika
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Warum der Wirkort zählt

Antibakterielle Therapien müssen passen – nicht nur bezüglich des Erregers, sondern auch zum jeweiligen Infektionsort. Denn nicht alle Antibiotika erreichen in jedem Gewebe wirksame Konzentrationen.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 10.02.2026  08:00 Uhr

Zentrales Nervensystem

Für die Behandlung von ZNS-Infektionen, insbesondere einer bakteriellen Meningitis, müssen Antibiotika die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Häufige Erreger der ambulant erworbenen Meningitis sind Streptococcus pneumoniae und Neisseria meningitidis. Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis muss eine Behandlung sofort begonnen werden, noch vor Erregernachweis und Resistenzbestimmung. Die Patienten erhalten in der Regel intravenös Cephalosporine der 3. Generation (zum Beispiel Ceftriaxon oder Cefotaxim), gegebenenfalls in Kombination mit Ampicillin. Die häufigsten im Krankenhaus erworbenen Erreger einer Meningitis sind Enterobacteriae, Pseudomonaden oder Staphylokokken. In diesen Fällen wird eine Kombination von Vancomycin mit Meropenem oder Ceftazidim empfohlen. Sobald der Erreger identifiziert und seine Empfindlichkeit bestimmt ist, kann die Therapie gezielt angepasst werden.

Intrazelluläre Erreger

Erreger wie Chlamydia trachomatis oder Rickettsien leben innerhalb von Zellen und müssen daher mit Antibiotika behandelt werden, die gut Zellmembranen passieren können. Dazu zählen lipophile Substanzen, etwa Doxycyclin, Makrolide oder Fluorchinolone. Die Therapiedauer kann länger sein, da intrazelluläre Erreger schwerer zu erreichen sind.

Borreliose

Borrelien befinden sich überwiegend extrazellulär, können jedoch gelegentlich in Phagozyten persistieren. Je nach Krankheitsstadium müssen unterschiedliche antibiotische Therapien gewählt werden. In frühen Stadien, etwa beim Auftreten eines Erythema migrans (Wanderröte), gelten Doxycyclin oder Amoxicillin als Standardtherapie. Bei Manifestationen wie der Neuroborreliose werden parenteral verabreichte Cephalosporine eingesetzt, da sie therapeutische Liquorspiegel erreichen.

Zähne und Parodontitis

Früher galt Clindamycin als besonders knochengängig und wurde daher bei zahnärztlichen Eingriffen häufig bevorzugt. Doch da sehen die Empfehlungen inzwischen anders aus. Die S3-Leitlinie »Diagnostik und Therapie odontogener Infektionen« der Deutschen Gesellschaft für Mund, Kiefer und Gesichtschirurgie sowie der Deutschen Gesellschaft für Zahn, Mund und Kieferheilkunde sieht in definierten Fällen den Van-Winkelhoff-Cocktail aus Amoxicillin 500 mg plus Metronidazol 400 mg vor. Clindamycin bleibt eine Alternative bei bestehender Penicillinallergie. Generell sollte der Einsatz von Antibiotika in der Zahnmedizin laut Leitlinie auf wenige Ausnahmefälle beschränkt bleiben, wobei mechanische beziehungsweise chirurgische Maßnahmen stets Vorrang haben.

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