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Zählung, Berechnung, Statistik
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Warum man bei Corona-Zahlen vorsichtig sein muss

Den größten Wert in Corona-Zeiten haben – neben Nudeln und Klopapier – wohl Zahlen. Auf einmal rufen Menschen, die mit Mathematik wenig und mit Statistik überhaupt nichts am Hut haben, mehrmals täglich Daten zu Coronavirus-Fällen ab. Statistiker warnen davor, sich allzu sehr auf die Zahlen zu verlassen.
AutorKontaktdpa
Datum 17.04.2020  16:00 Uhr

Achtung bei der Sterbe- und Genesenenrate

Die statistische Erfassung der Todesursachen variiere von Land zu Land erheblich, betonen auch die Macher der »Unstatistik«, zu denen Katharina Schüller gehört. Dennoch werden immer wieder Vergleiche von Sterberaten diskutiert. Generell sei es falsch, einfach die Toten ins Verhältnis zu den bekannten Infizierten zu setzen. Werde die Dunkelziffer nicht berücksichtigt, werde die Letalität systematisch überschätzt.

Kniffelig wird es auch bei Aussagen zur Zahl der Genesenen, die hier und da bis auf die letzte Stelle angegeben werden und damit ziemlich exakt aussehen. Doch wo nicht einmal alle Infizierten getestet und erhoben werden, kann natürlich noch viel weniger über die Zahl der Genesenen bekannt sein. Daher sind all diese Angaben immer nur Schätzungen – sehr grobe Schätzungen in vielen Fällen.

Standards bei Todesfallerfassung gefordert

Um die Folgen der Coronavirus-Pandemie richtig einschätzen zu können, fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz jetzt zumindest einheitliche Standards bei der Erfassung von Todesfällen. »Drei Monate nach den ersten Infizierten in Deutschland haben wir noch immer keine gemeinsame Linie«, sagte Vorstand Eugen Brysch heute der Nachrichtenagentur dpa. Exakte Zahlen seien aber wichtig, um den Krankheitsverlauf einschätzen zu können.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Bundesländer müssten sich darauf verständigen, dass wenigstens bei den Gestorbenen eine Testung auf Sars-CoV-2 erfolge, forderte Brysch. »Das überfordert auch nicht die Behörden und die Labore.« Es könnten derzeit mehrere Zehntausend Tests in Deutschland durchgeführt werden. »Und hier ist die Sterblichkeitsrate nicht so hoch«, sagte er. Die Zahlen seien hierzulande anders als etwa in den USA.

Er halte es für »nicht angemessen«, ohne klare Fakten als Grundlage schon über Ausstiegsszenarien zu sprechen, sagte Brysch. »Das ist Kaffeesatzleserei.« Gerade mit Blick auf Alten- und Pflegeheime müssten die Todesfälle besonders in den Blick genommen werden. Hintergrund ist, dass die Statistiken etwa der Behörden, aber auch der Johns Hopkins Universität aus den USA teils zeitverzögert erstellt werden und auf unterschiedlichen Quellen basieren. Zudem werden weder überall alle Toten auf eine Covid-19-Erkrankung untersucht noch werden etwa alle Infizierten ohne Symptome erfasst.

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