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Asthmaanfall durch Stress
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Was tun, wenn die Luft wegbleibt?

Stress wirkt sich nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf den Körper aus – und kann zum Beispiel Asthmasymptome verschlimmern. Das führt schnell in einen Teufelskreis aus Stress und Beschwerden, der sich aus Sicht der Diplom-Psychologin Michaela Rünger jedoch durchbrechen lässt. Bei den Online-Allergietagen des Deutschen Allergie- und Asthmabunds erklärt sie, wie das außerhalb des Einsatzes von Medikamenten gelingen kann.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 08.04.2025  10:00 Uhr

Der Alltag mit Asthma ist oft von Symptomen wie Husten, pfeifender Atmung und Atemnot geprägt. Ständig müssen Betroffene darauf achten, Allergieauslöser zu meiden und sich regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unterziehen. Auch in Schule, Sport und Freizeit sind sie häufig eingeschränkt, sind dauerhaft auf Medikamente angewiesen und müssen stets ein Notfallspray griffbereit haben.

Denn das Gravierendste, was bei Asthma passieren könne, sei ein Asthmaanfall, so Rünger. Dabei verengen sich die Atemwege so stark, dass vor allem das Ausatmen massiv erschwert wird. Im schlimmsten Fall führe dies zu Atemnot und der Angst, zu ersticken – was wiederum Stress auslöse und die Atemnot weiter verstärke. Ein Teufelskreis nehme seinen Lauf.

Der Weg aus dem Teufelskreis

Hilfe bringen in solchen Momenten sicherlich die entsprechenden Medikamente. Der Asthma- und Neurodermitis-Trainerin Rünger geht es jedoch um die Mittel, die den Betroffenen außerhalb der Medizin zur Verfügung stehen. Eine wichtige Rolle spiele dabei das Stressmanagement, denn für Asthmasymptome seien gleich drei  Stressoren von Bedeutung: die biologischen, psychologischen und sozialen Stressoren.

biologische Stressoren psychologische Stressoren soziale Stressoren
• Trigger wie Allergene, Anstrengung, Erkältung
• Husten, Räuspern, pfeifende Atmung
• Atemnot
• weniger Ausdauer
• gestörter Schlaf
• Erstickungs- und Todesangst
• Zukunftssorgen
• eingeschränkte Lebensqualität
• schwieriges Therapiemanagement
(Arztbesuche, Medikamenteneinnahme)
• mangelnde Ressourcen
• negatives Coping
• fehlende soziale Unterstützung
• belastende Familiendynamik
• Fehlzeiten in Schule/Beruf
• Peergroup (hänseln)
• Einschränkungen beim Sport
• Einschränkungen in der Schule (Fehlzeiten)
• Berufswahl (Eignung)

Den Teufelskreis aus Stress und Asthmasymptomen gelte es zu durchbrechen, betont Rünger. »Wo wir hin möchten, ist, dass es zu einer gewissen Akzeptanz des Asthmas kommt.« Das bedeute nicht, die Diagnose überschwänglich zu feiern, sondern die Erkrankung anzunehmen und entsprechend zu handeln.

Im besten Fall verwandele sich der Teufelskreis in einen »Engelskreis«, wie Rünger die positive Aufwärtsspirale bezeichnet. Konkret bedeutet das: Durch die Akzeptanz des Asthmas entwickelt der Patient eine gute Wahrnehmung für seinen Zustand, denkt zuverlässig an die Einnahme der Medikamente, kann sich selbst besser einschätzen und übernimmt aktiv Verantwortung für das Management der Erkrankung. Diese erworbene soziale Kompetenz reduziert Ängste und Stress – und damit letztlich auch die Asthmasymptome.

Um das zu erreichen, empfiehlt die Asthmatrainerin gezielte Patientenschulungen. Diese verbesserten die Selbstwirksamkeit und das Selbstmanagement und vermittelten wichtige Techniken wie die Lippenbremse, atemerleichternde Stellungen und Entspannungsmethoden. In schwerwiegenden Fällen könne auch zu einer Psychotherapie geraten werden.

Selbstwirksamkeit und Selbstmanagement verbessern

Vor allem auf die Selbstwirksamkeit kommt es Rünger an. Selbstwirksamkeit ist laut Definition die Überzeugung, dass schwierige Situationen aus eigener Kraft gemeistert werden können. Und diese lasse sich beispielsweise durch folgende Maßnahmen steigern:

  • Herausforderungen suchen und annehmen, dabei realistische Ziele setzen, um eine Überforderung zu vermeiden: Statt gleich einen Marathon zu planen, könnte ein erster Schritt ein zehnminütiger Dauerlauf sein.
  • Aus »Fehlern« lernen und Zwischenziele definieren: Wenn zehn Minuten zu viel sind, mit zwei Minuten beginnen und sich langsam steigern.
  • Erfahrungen und Erfolgserlebnisse sammeln: Durch Lob (von außen oder durch sich selbst) mehr Selbstvertrauen schaffen.
  • Techniken zur Entspannung und Stressbewältigung: Lippenbremse und atemerleichternde Stellungen erlernen.
  • Eigene Kompetenz aufbauen: Durch Schulungen und Weiterbildungen Wissen und Sicherheit erweitern.
  • Auf das soziale Umfeld stützen: Ermutigungen durch Freunde und Familie nutzen und gegebenenfalls Selbsthilfegruppen besuchen.

Auch das Selbstmanagement sei bei der Bewältigung chronischer Erkrankungen von großer Bedeutung, so Rünger weiter. Das beinhalte nicht nur die Fähigkeit, mit den Symptomen und der Behandlung umgehen zu können, sondern auch mit den körperlichen und psychosozialen Folgen und den Auswirkungen auf die Lebensführung.

Bei gutem Selbstmanagement übernimmt der Patient Verantwortung für die eigene Gesundheit, optimiert und erhält diese, reduziert Symptome und funktionelle Beeinträchtigungen, identifiziert und äußert seine Bedürfnisse, steckt sich persönliche Ziele, findet auch in Zusammenarbeit mit dem Arzt Strategien, um diese zu erreichen und arbeitet besser an der Therapie mit. Rünger: »Durch diese ganzen Maßnahmen steigert sich die Lebensqualität. Das ist das, was wir möchten: eine gute Lebensqualität mit wenigen Einschränkungen im Alltag.«

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