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Kälteurtikaria
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Wenn der Winter krank macht

Wenn beim winterlichen Spaziergang die Haut mit Quaddeln und Juckreiz reagiert, könnte eine Kälteurtikaria die Ursache sein. Die Sonderform der Nesselsucht kann Betroffene stark einschränken, lässt sich aber meist gut behandeln. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 19.01.2026  08:00 Uhr

Woran erkennt man, dass es eine Kälteurtikaria ist?

Die juckenden Quaddeln treten typischerweise zwei bis fünf Minuten nach dem Kältekontakt auf und klingen meist innerhalb von ein paar Minuten bis einer Stunde wieder ab. In seltenen Fällen sind die Symptome von Schwindel und einem Blutdruckabfall begleitet, besonders bei einem plötzlichen, sehr starken Kältereiz wie beim Eintauchen in kaltes Wasser.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Sinnvoll ist es für Betroffene, zu notieren, in welchen Situationen die Probleme auftreten, und die Quaddeln einmal zu fotografieren, da sie bis zum Arztbesuch wieder verschwunden sein können. Bei einer Kälteprovokation, etwa mit dem Eiswürfeltest, wird die Haut am Unterarm eine bis fünf Minuten mit einem Eiswürfel gekühlt. Entsteht eine typische Quaddel, nachdem der Eiswürfel entfernt wird beziehungsweise sich die Haut wieder erwärmt, gilt der Test als positiv.

Um bei Verdacht auf eine Kälteurtikaria den individuellen Schwellenwert zu ermitteln, hat die Charité Berlin ein spezielles Gerät (TempTest®) entwickelt, das Temperaturen zwischen 4 °C und 44 °C erzeugt. Eine Kälteprovokation sollte nur in der ärztlichen Praxis durchgeführt werden.

Ist eine Kälteurtikaria gefährlich?

Zwar überwiegen lokale Hautreaktionen, doch es kann auch zu systemischen Reaktionen wie Atembeschwerden, starkem Blutdruckabfall und Kreislaufkollaps kommen. Dabei gilt Schwimmen in kaltem Wasser als häufigster Auslöser. Sind solche Symptome bei einem Patienten mit Kälteurtikaria bekannt, sollte er das Schwimmen in kaltem Wasser meiden.  Patienten mit einem erhöhten Risiko für schwere Reaktionen sollten ein Notfallset mit einem Adrenalin-Autoinjektor, einem Antihistaminikum und einem Glukokortikoid mit sich führen.

Wie wird eine Kälteurtikaria behandelt?

In fast allen Fällen akuter oder chronischer Urtikaria lassen sich die Beschwerden mit Antihistaminika gut beherrschen, die Patienten regelmäßig oder bei Bedarf einnehmen. Sie lindern den Juckreiz und dämmen die Quaddelbildung ein. Zu bevorzugen sind H1-Antihistaminika der zweiten Generation, die in der Regel nicht schläfrig machen. Da sich eine Urtikaria mitunter spontan zurückbildet, kann unter ärztlicher Aufsicht ein Absetzversuch nach mehreren Monaten Therapie sinnvoll sein.

Bei Urtikaria reicht die empfohlene Standarddosis meist nicht aus. Laut Leitlinie kann der Arzt die Menge bis auf das Vierfache steigern. Die Dosis sollten Patienten jedoch nicht eigenmächtig erhöhen. Lässt sich die Kälteurtikaria nicht ausreichend kontrollieren, kommt das Biologikum Omalizumab (Anti-IgE) infrage. Die Behandlung hat sich als wirksam und sicher erwiesen. Die zugelassene Dosierung beträgt 300 mg alle vier Wochen.

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