PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Glutathion-S-Transferase-Mangel
-
Wenn die körpereigene Entgiftung gestört ist

In den sozialen Medien posten Menschen, die nur noch draußen schlafen, bei Wind und Wetter in einem Zelt. Als Grund nennen sie eine gestörte Entgiftung ihres Körpers. Sie fliehen vor Umwelteinflüssen. Ist das nur ein Trend?
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 04.03.2026  12:00 Uhr
Wenn die körpereigene Entgiftung gestört ist

Der Körper des Menschen verfügt über außerordentlich effektive Strategien, um Stoffe, die ihm schaden könnten, wieder loszuwerden. Nicht jede Substanz kann er entsorgen, manches lagert sich im Fettgewebe ab oder in anderen Arealen des Körpers, aber in Summe arbeitet der Organismus hoch effektiv, um »Müll« loszuwerden.

Allerdings gibt es genetische Besonderheiten, die diese dauernde Entgiftung erschweren können. Dazu gehört ein Mangel an sogenannten Glutathion-S-Transferasen. Diese Enzyme helfen maßgeblich dabei, Umweltgifte und Medikamente zu »neutralisieren«, oxidative Schäden, Zellstress und DNA-Schäden so gering wie möglich zu halten.

Vielen Menschen fehlt eines der Enzyme genetisch bedingt von Anfang an. Fachleute sprechen von Null-Genotypen. Sie haben zum Beispiel eine GSTM1 oder GSTT1-Deletion. Diese Typen sind so häufig, dass man eher von Polymorphismen spricht als von einer seltenen genetischen Erkrankung. Aber wo liegt dann das Problem? Bereits wenn ein Gen ausfällt, das für eine der Glutathion-S-Transferasen codiert, steigt ein wenig das Risiko für bestimmte Erkrankungen. Beim GSTM1-Null-Genotyp nimmt die Gefahr für Lungen- und Blasenkrebs, für Parkinson und Alzheimer zu. Die genannten Krebsarten treten auch bei Menschen vom GSTT1-Null-Genotyp häufiger auf. Diese Menschengruppen müssen aber in ihrem Leben nicht zwingend symptomatisch mitbekommen, dass sie eine bestimmte genetische Variante haben, die die körpereigene Entmüllung einschränkt.

Erhöhte Sensitivität

Wahrscheinlicher werden Symptome bei einer sogenannten »Doppel-Null«, also wenn sowohl GSTM1 als auch GSTT1 fehlen. Betroffene erleiden deutlich mehr oxidativ bedingte Zellschädigungen. Egal ob Null oder Doppel-Null, die genetischen Varianten existieren von Anfang an, sie entstehen also nicht durch eine spontane Mutation im Laufe des Lebens. Mögliche Symptome aber können auch erst in höherem Lebensalter auftreten, dann, wenn die Schutz- und Reinigungsmechanismen des Körpers ohnehin nachlassen.

Symptome sind eine Sensitivität gegenüber Chemikalien und Medikamenten, häufige Infekte, chronische Entzündungsprozesse sowie anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, aber auch Brain Fog, Reizbarkeit, Ängste und depressive Verstimmungen.

In diesem Zusammenhang interessieren sich Forschende auch dafür, ob Menschen mit Long Covid oder jene, die eine Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Erschöpfungssyndrom (ME/CFS) infolge einer Infektion entwickelt haben, womöglich eher diejenigen sind, bei denen eines oder mehrere der Gene für Glutathion-S-Transferasen nicht vorhanden sind. Untersuchungen zeigen, dass besonders die Lymphozyten bei Menschen mit Long Covid oder mit ME/CFS unter dauerhaft erhöhtem oxidativem Stress leiden. Dabei entstehen mehr freie Radikale als die Entgiftung des Körpers bewältigen könnte. Ein Glutathion-S-Transferase-Mangel kann in Kombination mit viralen Infektionen und/oder Umweltfaktoren das Glutathion als wichtigstem »Entgifter« überlasten und erschöpfen. Mangelt es daran, gewinnen starke Entzündungsreaktionen die Oberhand. Reaktionen, die in Long Covid oder ME/CFS münden können.

Leider gibt es keine erwiesenermaßen wirksame Therapie bei einem Glutathion-S-Transferase-Mangel. Deshalb ist auch ein genetischer Test auf diese Varianten im Erbgut unter Medizinern umstritten. Denn das Ergebnis wäre für die behandelnden Ärzte nicht unbedingt ein Gewinn, weil es so viele Träger dieser genetischen Varianten gibt und sie damit nur eine von mehreren Möglichkeiten sind, warum ein Mensch die oben genannten Symptome zeigt. Allerdings können Mediziner einen Test dann in Betracht ziehen, wenn einem Patienten chronisch Energie und Antrieb fehlen, er im Gegenteil dauernd müde ist, chronische Entzündungen und häufige Infekte eine Immunschwäche wahrscheinlich machen und er dauernd schlecht schläft. 

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa