Die häufigen Infektionen in der Kita haben später einen Vorteil für die Kinder: Sie sind in der Schulzeit seltener krank. / © Adobe Stock/Tomsickova
Viele Eltern kennen das: Kaum war der Knirps ein paar Tage in der Kita, ist er schon wieder krank. Tatsächlich machen Kleinkinder im ersten Kitajahr besonders viele Infektionen durch, bestätigt eine Analyse britischer Forschender. Ein einjähriges Kind, das in die Kindertagesstätte kommt, hat demnach in den ersten zwölf Monaten typischerweise etwa 12 bis 15 Atemwegsinfekte, zwei Magen-Darm-Erkrankungen und ein oder zwei Hautausschlag verursachende Infektionen wie das Dreitagefieber. Dies habe emotionale und teils auch finanzielle Folgen für Familien.
Gerade die Auswirkungen für berufstätige Eltern seien erheblich. In Deutschland können beide Elternteile zusammen 15 Arbeitstage pro Jahr und gesetzlich krankenversichertem krankem Kind freinehmen, bei mehreren Kindern summiert sich der Anspruch auf bis zu maximal 70 Tage. Gerade im ersten Kitajahr könne das durchaus eng werden, sagte Tanja Brunnert vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ).
»Arbeitgeber müssen anerkennen, dass es normal ist, dass Eltern kleiner Kinder regelmäßig von der Arbeit freinehmen müssen, um ihre Kinder zu betreuen, und sie auch anfälliger dafür sind, selbst krank zu werden«, sagte Co-Autorin Lucy van Dorp vom University College London (UCL). Von Jahr zu Jahr bessere sich die Lage merklich.
Längerfristig betrachtet gibt es der im Fachjournal «Clinical Microbiology Reviews» veröffentlichten Übersichtsarbeit zufolge auch einen positiven Effekt: In den ersten Schuljahren sind Kinder, die eine Kita besucht haben, seltener krank als nicht in Gemeinschaftseinrichtungen betreuter Nachwuchs.
Der frühe Kontakt scheine einen gewissen Schutz für die ersten Schuljahre zu bieten, wahrscheinlich aufgrund der erworbenen Immunität gegen häufige Infektionen. Das bedeute auch, dass eine längere Betreuung von Kindern zu Hause in der Summe wahrscheinlich keine Lösung für das Problem darstelle, sondern nur ein Aufschieben.
Der Grund für die Analyse des Teams war ein ganz persönlicher: »Als Eltern waren wir alle überrascht, wie oft unsere insgesamt neun Kinder nach dem Start in der Kindertagesstätte krank wurden«, sagte van Dorp. »Also haben wir uns zusammengetan, um zu untersuchen, wie oft ein Kind, das in die Kindertagesstätte kommt, im ersten Jahr krank wird, und was man dagegen tun kann.«
Häufige Erkrankungen nach dem Start in der Kindertagesstätte sind demnach völlig normal und sagen in der Regel weder etwas über den Gesundheitszustand des Kindes oder der Eltern noch über die Hygiene der Betreuungseinrichtung aus.