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Übelkeit, Bauchschmerzen, Sodbrennen
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Wie Gefühle unsere Verdauung beeinflussen

Aufregung kann Durchfall verursachen, anhaltende Probleme am Arbeitsplatz oder in der Familie können zu Bauchschmerzen führen. Auch häufige Übelkeit oder Sodbrennen können stressbedingt sein. Doch wie genau hängen psychische Belastungen und die Verdauung zusammen?
AutorKontaktCarina Steyer
Datum 28.11.2025  12:00 Uhr

Dauerhafte Schäden

Das Positive an aufregungsbedingten Magen-Darm-Beschwerden ist, dass sie sich schnell wieder legen, wenn die Prüfung überstanden oder die Fahrt in den Urlaub angetreten ist. Anders sieht es aus, wenn Menschen von chronischem Stress betroffen sind. Senkt sich der Stresspegel nicht ab, sind dauerhafte Schäden am Verdauungssystem möglich.  So kann eine anhaltende verminderte Durchblutung des Darms Schleimhautveränderungen begünstigen und die Durchlässigkeit der Darmbarriere erhöhen. Dringen Bakterien in die Darmschleimhaut ein, werden Entzündungsreaktionen ausgelöst. Auch das Stresshormon CRF wirkt direkt auf die Immunzellen der Darmwand ein, wodurch es zu einer weiteren Schwächung der Darmbarriere kommt. 

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen können stresserzeugende Lebensereignisse wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine Trennung einen Krankheitsschub auslösen. Wissenschaftler der University of Pennsylvania konnten die Struktur dahinter bei Mäusen nachvollziehen: Nach einem Stressereignis aktiviert das Gehirn die Freisetzung von Glucocorticoiden in der Nebenniere. Diese wirken auf Neurone im Darm sowie die Verbindung zwischen ihnen, die sogenannten Gliazellen, ein. Gliazellen aktivieren Immunzellen, die für die Entzündungen im Darm verantwortlich sind. Gleichzeitig wird durch die Freisetzung von Glucocorticoiden die Entwicklung unreifer Darmneuronen blockiert, was den Signalweg für die Kontraktion der Darmmuskulatur beeinträchtigt. Die Nahrung passiert das Verdauungssystem langsamer, wodurch die Beschwerden zusätzlich verstärkt werden.

Den Gegensatz, dass Glucocorticoide in der Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen zur Entzündungshemmung eingesetzt werden, bei chronischem Stress aber entzündungsfördernd wirken, erklären die Wissenschaftler mit der Zeitspanne der Einwirkung. Chronischer Stress stellt eine Art Dauerzustand dar, während die Behandlung möglichst kurzgehalten wird.

Intensivierte Wahrnehmung

Als wahrscheinlich gilt zudem, dass chronischer Stress eine Rolle bei der Entstehung des Reizdarmsyndroms spielt. Betroffene leiden regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg unter Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Einige so sehr, dass sie sich in ihrem Alltag deutlich eingeschränkt fühlen. 

Trotz des hohen Ausmaßes an Beschwerden finden sich im Darm keine auffälligen Veränderungen wie bei einer Zöliakie oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Oft beobachten Gastroenterologen jedoch eine sogenannte viszerale Hypersensititvität. Dabei nehmen Betroffene grundsätzlich normale Vorgänge im Darm stärker und unangenehmer wahr als nicht betroffene Menschen. 

Verantwortlich dafür sind Schmerzrezeptoren im Rückenmark. Sie sind aufgrund anhaltender psychischer Stressbelastung oder als Folge von Entzündungen dauerhaft aktiviert und melden dem Gehirn normale Darmwahrnehmungen fälschlicherweise als Problem. Das setzt eine Spirale in Gang: Anhaltende Verdauungsbeschwerden können das Angst- und Stresslevel erhöhen. Angst und Stress erzeugen stärkere Darmaktivitäten, die erneuten Stress verursachen. Zudem ist belegt, dass der Magen-Darm-Trakt bei Menschen mit Reizdarmsyndrom empfindlicher gegenüber Stress ist als der nicht betroffener Menschen. Darmbewegungen und Bauchschmerzen fallen bei ihnen stärker aus. 

Derzeit gehen Gastroenterologen davon aus, dass stressbedingtes Sodbrennen einem ähnlichen Kreislauf folgen könnte. Auch hier sind die unangenehmen Beschwerden nicht immer auf einen verstärkten Reflux zurückzuführen. Bekannt ist aber, dass einige Betroffene dazu neigen, bei chronischer Stressbelastung die Aufmerksamkeit verstärkt auf körperliche Wahrnehmungen zu lenken. Und je stärker sie das machen, umso intensiver empfinden sie die Symptome.

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